
Zehn Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff im März 1945 fand der Ort “auferstanden aus Ruinen” wieder zu sich selbst und feierte vom 26. Juni bis 3. Juli 1955 sein 700jähriges Jubiläum. Bei Lichte betrachtet begannen die Feierlichkeiten mit der Generalprobe des Theaterstückes “Der Stülpner Karl” am Freitag den 24. Juni und der großen Eröffnungsveranstaltung am Samstag, den 25. Juni (beides im Gasthof “Drei Eichen”) bereits zwei Tage früher.
Dieser Festwoche vorausgegangen waren zehn Jahre des Wiederaufbaues unter einer neuen Gesellschaftsordnung, stets von den Gedanken einer Wiedervereinigung der beiden Staaten zu einem sozialistischen Deutschland beseelt und ein Hochwasser immensen Ausmaßes im Vorjahr.
Das Deckblatt der Festschrift “700 Jahre Einsiedel”.
Diese Fluten waren es auch, die für die Verschiebung der Feierlichkeiten um ein Jahr stets herhalten müssen (Einsiedels erste Erwähnung datiert auf das Jahr 1254).
Dem war aber nicht so, es gab einige andere handfeste Gründe für die Verschiebung:
Der Hauptgrund war das Geld, oder besser KEIN Geld. Außerdem wollte man aus ideologischen Gründen die Veranstaltung mit dem Beginn des ersten Fünfjahrplanes zusammen fallen lassen und war auch noch der Meinung, dass die kriegsbedingten Aufräumarbeiten noch nicht weit genug vorangeschritten wären (Im Gegensatz zur 725-Jahr-Feier 1980, wo nur noch Baulücken vom Bombeninferno kündeten, waren 1955 noch Schäden weithin sichtbar.). Ein Mangel an geeigneten Räumlichkeiten war somit auch noch gegeben. Wegen all dieser Gründe beantragte der damalige Bürgermeister Hübschmann die Verlegung der Feier um ein Jahr.
Wenigstens konnte 1955 mit der Fertigstellung und Übergabe der “Waldklause” der Mangel an geeigneten Räumen und Plätzen halbwegs kompensiert werden.
(Kerndaten: Bernd Obermaier)
