






Dieses für einen Ort wie Einsiedel recht große Gebäude (28 Mietwohnungen) wurde in den Jahren 1932/33 durch die “Wohnungsbaugenossenschaft Einsiedel-Erfenschlag” errichtet. Das Haus besitzt hofseitig vier Eingänge (Hausnummern 2 bis 5) und an der Straßenseite zusätzlich nochmals zwei Eingänge (Hausnummern 3 und 4), durch diese beiden gelangt man auch wieder auf die Hofseite. Auf den beiden Fotos sehr schön zu erkennen die unterschiedlichen Fassaden. Beide Bilder stammen aus dem Jahr 1933. Oben links zeigt uns den August-Bebel-Platz entweder:
-am 20. April 1933 anlässlich der Pflanzung der “Adolf-Hitler-Eiche” (siehe Folgeartikel) oder
-11 Tage später, am 1. Mai 1933 bei der Umbenennung des Platzes in “Adolf-Hitler-Platz” (siehe ebenda).
Zurück zu den unterschiedlichen Fassaden. Die linke Haushälfte (Nr. 2 und 3) wurde 1932 fertiggestellt, die rechte, noch unfertige Hälfte (Nr. 4 und 5) erst ein Jahr später. Der Grund war eine Verzögerung bei der Kreditvergabe.
(Foto oben links: Ingobert Rost)
Das festlich geschmückte Haus am 1. Mai 1934. Dem aufmerksamen Betrachter lege ich einen “scharfen Blick” auf die Mitte des Fotos nahe. Wir erkennen in der Mitte einen Baum mit Gedenkstein, die “Adolf-Hitler-Eiche”
(Foto: Elke Haubold)
Die Eiche wurde zu Ehren des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler anlässlich dessen Geburtstages am 20. April 1933 gepflanzt. Das Foto (aus dem hier behandelten Gebäude heraus aufgenommen) zeigt uns rechte und konservative Abordnungen örtlicher Vereine bzw. Verbände. Links Männer der SA, dann vom “Stahlhelm”. Die Herren mit Zylinder werden wohl die Einsiedler Schützenvereine repräsentieren, die Männer rechts davon vermag ich nicht zuzuordnen. Direkt neben der Eiche ebenfalls zwei SA-Männer. Im Hintergrund sehen wir die hochinteressierten Einsiedler Volksgenossen, da dahinter links die Ida-Wiese, rechts der “Schockenbau” an der Reichsstraße, respektive Hans-Schemm-Straße.
Der Eiche indes war nur ein kurzes Leben beschieden, schon 1945 wurde sie entfernt.
Für die “Ausrottung des Nationalsozialismus mit Stumpf und Stiel” ist so eine “Hitlereiche” geradezu prädestiniert. Aber nicht in allen Orten Deutschlands wurden diese Bäume wieder gefällt, selbstredend wurden aber alle umbenannt.
Unberechtigt war der Hass auf Adolf Hitler und dessen Gesellschaftsordnung indes nicht, wir sehen links den immensen Schaden den das Gebäude durch Krieg und Bombenterror erlitt. Foto von 1945.
(Foto: Irmgard Wildfeuer)
Das Gebäude im Jahre 1955, dem Schmuck nach zu urteilen vermutlich auch am 1. Mai.
Bereits nach Fertigstellung 1933 erhielt das Gebäude von den Einsiedlern den umgangssprachlichen Namen “Tietzbau”. So benannt nach dem Kaufhaus “Hertie” (Hermann Tietz) in Chemnitz, wie auch immer ein Bezug zu diesem Einsiedler Gebäude hier zustande kam...
Der Name “Tietzbau” hielt sich lange, ist heute allerdings nur noch den wenigsten geläufig.
2003 wurde das Gebäude außen renoviert, bis Februar 2007 waren etwa 80% der Wohnungen saniert. Das Foto zeigt das Gebäude am 17. Januar 2007.
Die “Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Einsiedel e.G.” existiert noch heute und ist auch noch immer Eigentümerin des Gebäudes.
