













Wie so oft, begann auch die Kariere von Wehner & Rudolph in ganz bescheidenen Verhältnissen.
Es war im Jahre 1921, als man im Gebäude Herrmannstraße 4 (“Rudolph-Haus”) mit der Produktion von sogenannten Buntsocken begann.
Es war eine Zeit, als eben diese Buntsocken (Ringelstreifen u.ä. Muster) in Mode kamen, nachdem wenige Jahre zuvor halb Europa zum Großteil nur Militärsocken produzierte.
Alsbald reichten die Räumlichkeiten für die Produktion nicht mehr aus und man zog in die Hauptstraße 56, um auch hier nach kurzer Zeit wieder an die Kapazitätsgrenzen zu stoßen.
1925 war es dann, als man im Grundstück Bergstraße 7-9 ein dreistöckiges Fabrikgebäude errichtet.
Links ein Briefkopf, welcher den Bauzustand nach Fertigstellung dieses ersten Bauabschnittes in etwa wiedergibt. (Vorlage: Jürgen Krauß)
1935 - man beschäftigte mittlerweile 75 Personen - wurden zwei weitere Etagen aufgestockt. Links eine Reklameanzeige aus dem gleichen Jahre, rechts ein Briefkopf (datiert 1938), der das Gebäude noch im altem Zustand, also ohne die Aufstockung zeigt.
(Vorlagen: Reklame Hans-Christian Günther, Briefkopf Jürgen Krauß)
Im Bombenterror vom 5. März 1945 wurden Haupt- und Nebengebäude erheblich zerstört.
(Foto: Bernd Obermaier)
1946, als nebenstehende Zeichnung von Walter Viertel entstand, begannen zögerliche Wiederaufbaumaßnahmen, anfangs nur am Hintergebäude. Acht Personen fanden hier vorerst wieder Arbeit.
(Vorlage Zeichnung: Irmgard Wildfeuer)
1948 wurde eine Idee des Spulmeisters Martin Winkler aufgegriffen, in dem man aus Textilabfällen wieder neuwertiges Stopfgarn herstellte. Jährlich konnten 60 to Stopf- und Strickgarne aus 100 to Textilabfällen gewonnen werden. Diese Wiederaufbereitung erfolgte in Nebenproduktion, Hauptprodukt waren nach wie vor Socken. Die Belegschaftsstärke konnte sukzessive auf ca. 240 Personen gesteigert werden, viele davon arbeiteten als Heimarbeiter.
In den 1950er Jahren erfolgte dann auch der Wiederaufbau des Hauptgebäudes, wenn vorerst auch nur im unteren Teil produziert wurde. Geschäftsführer und Betriebsinhaber der nach wie vor privaten Firma waren Gottfried Wehner und Gotthard Rudolph, ab 1958 mussten sie eine staatliche Beteiligung akzeptieren.
1959 kam es während des Jahresurlaubes, als der Betrieb geschlossen war, zu einem Großbrand, der das Hauptgebäude erneut völlig zerstörte.
Die Brandursache konnte nie geklärt werden, Brandstiftung wird vermutet.
Auf dem linken Foto erkennt man Textilien (Textilabfälle?), die getrocknet werden, um sie wieder zu verwenden. Auf dem oberen Foto sehen wir die abgelagerten Baumaterialien für die Neuerrichtung des Dachstuhles. Der Wiederaufbau erfolgte zügig.
(Fotos: Jürgen Krauß)
1960 werden neuentwickelte Doppelzylinderautomaten eingeführt. Auf Grund dieser Rationalisierung ging die Belegschaftshöhe auf 150 Personen zurück. Zeitgleich lief die Nebenproduktion mit den wiederaufbereiten Textilabfällen aus, da für Strickgarne mittlerweile genügend Neumaterial verfügbar war.
Das 50jährige Betriebsjubiläum 1971 (Foto links / Thomas Schwebe) feierte man noch als halb-private Firma, ein Jahr später war damit Schluss.
WeRu wurde Volkseigentum und nennt sich fortan:
“VEB Buntsocke Einsiedel”.
1974/75 erfolgten Neuinvestitionen im Sozialbereich (moderner Speiseraum, WC mit Kläranlage, Pflanzen in den Fabriksälen sowie Errichtung eines Ferienheimes in Bad Saarow).
Belegschaftsstärke 1975: 135 Personen, man produziert in diesem Jahr etwa 2.140.000 Paar Herrenbuntsocken, wovon 60% exportiert werden.
1979 wurden dann 2.690.000 Paar Socken hergestellt.
1980 wird der Betrieb der Strumpffabrik Dittersdorf zugeordnet und 1983 schließlich dem VEB Strumpfkombinat Esda in Gornau angegliedert.
Sofort nach der Wende, noch im Jahre 1990 erfolgt die Schließung. Aus diesem Jahr stammen auch die Fotos links und oben (Jürgen Krauß).
Seit dem bewegt sich auf der Berggasse 7-9 keine Maschine mehr, eine Fabrikruine wie so viele im mitteldeutschen Raume steht auch in Einsiedel. Die Fotos oben und rechts (Peter Hollstein) stammen aus dem Jahre 1996, das Foto unten zeigt uns den Zustand am 5. Juni 2006...
