Der
hieß auch schon:
Von ? bis 1996: Dittersdorfer Straße
Die Straße führt in östlicher Richtung in Verlängerung mit Waldwegen zur Ditterdorfer Höhe.

Mit der Eingemeindung nach Chemnitz (1. Januar 1997) wurde sie in Dittersdorfer Weg umbenannt, da eine Dittersdorfer Straße in Chemnitz bereits existierte und keine Straßen mit identischer Bezeichnung in einer Kommune bestehen dürfen.
Hierzu ist anzumerken, das die Bezeichnung “Weg” für den Großteil der Strecke besser zutrifft, da sie erst im letzten Drittel ausreichend breit und befestigt ist.
Durch Anclicken eines der nachfolgenden Verweise springen Sie direkt zum jeweiligen Eintrag auf dem Ditterdorfer Weg:
Für die Geschichte des Geländes des ehemaligen Pionierlagers müssen wir bis ins Jahr 1916 zurückgehen. In diesem Jahr war der Bauer Bauer (...also ein Landwirt Namens “Bauer”) bereit, ein Grundstück am Dittersdorfer Weg zu veräußern, welches unmittelbar am Wald lag. Der Einsiedler Arbeiterturnverein „Germania e.V.” (nicht zu verwechseln mit dem bürgerlichen „Turnverein Einsiedel“) zeigte Interesse am Kauf. Allerdings war Bauer – vermutlich aus ideologischen Klassengründen - nicht bereit, an den Verein zu verkaufen. So wurde nun das Geschäft über einen Dritten abgewickelt, der als Strohmann im Auftrag von „Germania e.V.“ handelte und sich als Gärtner ausgab.
Um nach dem Kauf den Schein zu wahren und vor allem aber, da es die Not gebot (1. Weltkrieg), wurden durch die Turner erst einmal diverse Beete angelegt und Gemüseanbau betrieben. 1920 begann dann der eigentliche Sportplatzbau, der sich über 10 Jahre hinzog.
Seit 1991 dient das Gelände der gemeinnützigen Bildungseinrichtung “F + U” zu Fortbildungs- und Umschulungszwecken. Die folgenden Fotos sind vom 23. Januar 2005.

Hintergrundwissen nationalsozialistische Jugendorganisation Hitler-Jugend (HJ):
Gegründet 1926 als Nachwuchsorganisation der SA und ab 1936 einzige Jugendorganisation im Dritten Reich. Die HJ war eine Teilorganisation der NSDAP und zuständig für die Erfassung und Gleichschaltung aller Jugendlichen vom 10. bis zum 18. Lebensjahr. Ab 1939 war die Mitgliedschaft Pflicht.
Die HJ gliederte sich in vier Teilorganisationen:
Zehn- bis 14jährige Jungen: Deutsches Jungvolk (Pimpfe)
Zehn- bis 14jährige Mädchen: Jungmädel;
14 bis 18jährige Jungen: Hitler-Jugend (im engeren Sinne)
14 bis 18jährige Mädchen: Bund Deutscher Mädel (BDM)
Hintergrundwissen Ernst Röhm:
Ernst Röhm, deutscher Politiker und Offizier, geboren am 28. November 1887 in München, Bayern, gestorben am 30. Juni 1934 in München-Stadelheim, Bayern (erschossen). Ab 1920 im Stab des Wehrkreiskommandos München. Schied aus der Reichswehr 1923 wegen Teilnahme am „Hitler-Putsch“ aus. 1925 Trennung von Adolf Hitler und der NSDAP, deren Förderer er eigentlich war. 1928-1930 Militärinstrukteur in Bolivien. Kehrte auf Bitten Hitlers 1931 nach Deutschland zurück und übernahm die SA. Röhm plante, diese in eine Art „Volksarmee“ umzuwandeln. 1933 wurde er Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Im völlig erfundenen „Röhm-Putsch“, wo ihm angelastet wurde, das neu etablierte nationalsozialistische System stürzen zu wollen, ließ Hitler ihn und auch andere hohe SA-Führer ohne Anhörung erschießen. Die Röhm gemachten Vorwürfe hätten keinem ordentlichen Gerichtsverfahren standgehalten!

Ernst Röhm

Links: Werbeplakat für die HJ.
Nach dem Krieg fanden dann erstmals Ferienaufenthalte in Zelten statt. Vorerst lediglich für die Einsiedler Schüler geplant und ausgestaltet, kamen während des griechischen Bürgerkrieges Ende der 1940er Jahre noch griechische (Waisen-)Kinder hinzu.
(Foto: Hanna Scheibner
Kerndaten: Ingobert Rost).
Hintergrundwissen sozialistische Jugendorganisation Pioniere:
Gegründet 1948 unter dem Namen "Junge Pioniere" und einzige in der DDR zugelassene Kinderorganisation. Seit 1957 wurde unterschieden in "Jungpioniere" (Schulklassen 1-3, blaues Halstuch) und "Thälmannpioniere" (Schulklassen 4-7, rotes Halstuch).
Der Name Thälmannpioniere steht in Verbindung mit den von den Nationalsozialisten ermordeten kommunistischen Führer Ernst Thälmann. 1952 wurde das Pioniergelöbnis eingeführt und 1958 der Pioniergruß. Auf die Aufforderung "Für Frieden und Sozialismus - Seid bereit!", hatten die Kinder zu antworten: "Immer bereit!", wobei die rechte Hand vertikal zur Stirn gehoben wurde.
Die Mitgliedschaft in der Pionierorganisation war keine Pflicht, allerdings mußten “Nicht-Pioniere” bzw. deren Eltern mit Behinderungen in ihren schulischen oder beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten rechnen.
1951 wurde dann dieses Zeltlager erheblich erweitert und als Zentrales Pionierlager “Palmiro Togliatti“ offiziell eröffnet. In den Sommerferien war diese „Zeltstadt“ dann nicht nur von Kindern aus der DDR voll belegt.
Zwei Fotopostkarten von 1956

Abzeichen
Junge Pioniere
Hintergrundwissen Palmiro Togliatti:
Palmiro Togliatti, italienischer Politiker, geboren am 26. März 1893 in Genua, Italien, gestorben am 21. August 1964 in Artek, Ukraine. Seit 1922 Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Italiens (KPI), deshalb auch 1923 und 1925 in Haft. 1925 Emigration nach Deutschland, dann in die UdSSR. Von 1947 bis 1964 Generalsekretär der KPI. Togliatti trat für eine Durchdringung des demokratischen Staats mit legalen Mitteln ein.




Das Lager 1961.
(Foto: Hanna Scheibner)

Das Gebäude hinten links wurde als Sanitätsstation genutzt. Foto von 1961.
(Foto: Hanna Scheibner)
Ein Blick Richtung Pionierlager (oben links) im Jahre 1968. Das Sanitätsgebäude als einziges massives Haus des gesamten Lagers ist gut zu erkennen.

Einige der im Lager erhältlichen Ansichtskarten:
Oben aus den 1960er Jahren, rechts 1970, unten 1973.
Die Zelte und die bisher in Baracken untergebrachten Wirtschafts- und Sozialräume wichen ab 1977 massiv gebauten Gebäuden und Bungalows.
Zwei Fotopostkarten; links 1982, rechts 1985.

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Das vormalige Sanitätsgebäude am 23. Januar 2005.
Bereits 1982 wurden vom Trägerbetrieb “8. Mai” die Räumlichkeiten des Hauses zu Wohnungen umgebaut. Diese waren ausschließlich Betriebsangehörigen vorbehalten. 1991 konnten die Wohnungen dann von den Mietern gekauft werden, da seitens des Objektkäufers, (also des gesamten Lagers), kein Interesse an diesem Haus bestand.


Im Jahre 1961 fand im Lagergelände ein Reit- und Springturnier statt. Es blieb die einzige derartige Veranstaltung.



1931 wurde schließlich das gesamte Areal mit einem großen Fest eingeweiht. Lange währte die Freunde nicht. 1933, mit der Machtübernahme der NSDAP, wurde der „Germania e.V.“ verboten. Daraus läßt sich schließen, dass der Verein sich nicht nur sportlich, sondern vermutlich auch politisch betätigte. Fortan nutzte die SA die Anlagen. Das “Turnerheim” wurde in „Kurt-Günther-Heim“ umbenannt. Siehe zu Kurt Günther auch den ausführlichen Artikel hier. Der oberste SA-Chef Ernst Röhm war zur Umbenennung persönlich da und der Einsiedler SA-Sturm und das Jungvolk (“Pimpfe”) staunten nicht schlecht, dass dieser schon vor Ort war, als sie den Hang hochgehetzt kamen. Vor und während des Krieges diente das Objekt dann der Ausbildung des “BDM”, der “HJ” und des Deutschen Volkssturmes. Nach dem Bombenangriff am 5. März 1945 wurden in der Baracke mehrere notdürftige Wohnungen und das Büro des Forstamtes Einsiedel eingerichtet.

Das Foto zeigt uns die von den Sportlern besorgte Baracke. Diese wurde 1921 in zerlegten Einzelteilen aus der Reichshauptstadt Berlin nach Einsiedel transportiert und hier aufgestellt. Sie nannte sich fortan “Turnerheim”, wurde 1922 geweiht und erhielt im gleichen Jahre eine Schankkonzession. Neben den Turnern selbst fanden hier noch viele andere Einsiedler Vereine eine Bleibe.
(Foto: Thomas Schwebe)

