Das Mehrfamilienhaus Einsiedler Hauptstraße 64 einer Aufnahme aus den 1920er Jahren.
In dieser Zeit betrieb der
“Strick-Beckert” hier im Hause seine kleine Firma.
Wir sehen das Ehepaar Beckert unten aus dem linken Erdgeschossfenster schauen.
(Foto: Bernd Obermaier)

Richard Beckert, der Inhaber, machte aus sogenannter englische Wolle neue Socken und reparierte alte Socken.

In den Ansichten im Spätsommer 2004 und vom 5. Juni 2006 erkennen wir im Unterschied zum Foto eingangs der Seite, dass der ehemals in der Mitte der Hausfront liegende Eingang (um 1938) verlagert wurde und dass die Dachgauben wohl in Folge der Kriegsschäden nicht mehr existieren.
(Foto links: Peter Hollstein)

Im Juli 1992 bezog der Zeitschriftenshop einen Teil der Erdgeschossräume.
Innenansicht vom Oktober 92 (...von und mit Bernd Obermaier).

Außenansicht des Zeitschriften-Shops Ende 1995. Bernd Obermaier bezog am 1. Januar 1996 neue Räumlichkeiten “Am Plan 6”, Nachmieter hier in der Hauptstraße 64 war ab Februar 1996 die “Fahrschule Otto”.
(Foto: Bernd Obermaier)

Oben eine Zeitungsannonce aus den 1930er Jahren, unten ein Foto des Firmeninhabers in seiner Werkstatt.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Beckert produzierte Socken bis zum Kriegsanfang im September 1939. Dann waren keine Rohwaren mehr verfügbar und er konzentrierte sich auf die Reparatur von Socken. So ging das den ganzen Krieg hindurch, im späteren Kriegsverlauf wurden auch noch Flüchtlinge (Volksdeutsche) in den Werkstatträumen untergebracht.
Richard Beckert hatte mittlerweile auch das Rentenalter erreicht und gab das Geschäft auf, seine Maschinen wurden bei Seite geräumt, um so Platz für die Flüchtlinge zu schaffen.
Beim Bombenangriff am 5. März 1945 wurde das Gebäude teilzerstört, es wies Risse auf und sämtliche Fensterscheiben waren defekt. Granitpflastersteine von der Bahnhofsstraße wurden durch eine Detonation bis in einzelne Räume hier im Hause getrieben.
Die Flüchtlinge wurden sofort umquartiert, das heißt, sie wurden in andere Orte gebracht.
Beckerts Schwiegersohn (Vorname?) Müller, der in der Hans-Schemm-Straße 19 ein Elektrogeschäft betrieb, bezog die vormaligen Strickerei-Räume. Müller hatte das Gebäude Hans-Schemm-Straße 19 erst 1937 oder 38 errichtet und war nun ausgebombt, da dieses Gebäude schwer beschädigt worden ist. Müller selbst installierte Elektroanlagen, seine Frau hatte hier in den Räumen einen kleinen Laden mit diversen Elektroartikeln wie Glühbirnen, Steckdosen usw. Nachdem schon 1946 Müller sein Gebäude wieder errichtet hatte, ging er dahin zurück.
Richard Beckert beabsichtigte, seine Strickerei noch einmal zu eröffnen, da er Bedarf erkannte. Seine Frau war aber strikt dagegen. Es heißt, sie hätte seine Maschinen, die teilweise beim Angriff beschädigt worden waren, runter in die Eisengießerei Leimbrock schaffen lassen, um sie zu verschrotten.

Nach Kriegsende wurde das Gebäude Hauptstraße 64 fast unverändert wieder aufgebaut.


1991 wurde am Nordgiebel ein der Gemeinde Einsiedel abgekaufter Kiosk angebaut, in dem Bernd Obermaier am 2. April d. J. einen Zeitschriften-Shop eröffnete.
(Foto links: Bernd Obermaier)

Einsiedler Hauptstraße 64  
vormals Strickerei Beckert