


Das Gebäude Einsiedler Hauptstraße 66 auf einem alten Briefkopf der Firma Adolf Richter. Der produzierende Bereich (Strumpfwaren) dieses Unternehmens lag in der Hauptstraße 162. Wie erkenntlich, wurde die Nr. 66 als Kontor und Lagerhaus genutzt. Den ebenfalls benannten Einsiedler Bahnhof sehen wir hinten links.
Der Post-Betrieb an sich erfuhr im Laufe der Jahrzehnte in Einsiedel wechselnde Standorte, ich denke es lohnt sich, an dieser Stelle etwas genauer darauf einzugehen:
1856 erfolgt der Anschluss von Einsiedel an die Postkutschenlinie Annaberg-Gelenau-Chemnitz und am 1. August des Jahres wird die erste Einsiedler Poststelle im Lehngericht (Hauptstraße 76) eröffnet. Robert Siegel wird erster Postverwalter. Das Foto zeigt die Nachbildung einer damaligen Postkutsche zur 725-Jahr-Feier in Einsiedel 1980.
1868 wird die Post in das Grundstück Hauptstraße 49 verlegt.
1875 Am 9. Oktober erfolgt die Verlegung in das Bahnhofsgebäude.
1878 Am 1. Januar erneute Verlegung, Standort diesmal Wiesenstraße 3 (Restaurant “Kurbad”).
1900 In diesem Jahr wird das neue Rathaus in der Hauptstraße 79 fertiggestellt. Die “Kaiserliche Post” (so die richtige Bezeichnung) zieht ins Erdgeschoss des rechten Gebäudeflügels. Dem vorausgegangen waren schwierige Verhandlungen des Bauausschusses (Rathausbau) mit der Kaiserlichen Oberpostdirektion über die Höhe der Mietzahlungen.
1931 Mittlerweile in “Deutsche Reichspost” umbenannt, wird das hier behandelte Gebäude Hauptstraße 66 erworben, ausgebaut und am 1. April d.J. eröffnet.
1945 Das Gebäude wird am 5. März beim Bombenangriff völlig zerstört, der Postbetrieb wird in der Veranda des Gasthofes “Drei Eichen” behelfsmäßig aufrecht erhalten.
1946 Im Postgrundstück Hauptstraße 66 wird eine Baracke aufgestellt. Acht Jahre werden von hier aus die Dienstleistungen erbracht.
1954 ist es soweit. Ein neues Postgebäude ist an gleicher Stelle erstanden, architektonisch wesentlich einfacher als sein Vorgänger gehalten, bietet es aber reichlich Platz. Im Erdgeschoss befanden sich neben Verwaltungsräumen mehrere Schalter und Telefonzellen. In der ersten Etage war das Fernmeldeamt und ein Kulturraum für die Postangestellten. Für diese waren ebenso Wohnungen im Gebäude integriert.
Unternehmensname nunmehr “Deutsche Post”.
1990 Im Zuge der Wiedervereinigung wird die “Deutsche Post” (der DDR) in die “Deutsche Bundespost” eingegliedert.
1995 Das Gebäude wird saniert. Durch die Privatisierung wird aus der “Deutschen Bundespost” die “Deutsche Post AG”.
1998 Eine sogenannte “Post-Agentur” wird am 1. Juni 1998 in den “Zeitschriftenshop Bernd Obermaier” (Am Plan 6) integriert.
(Foto: Bernd Obermaier)
1999 Die Postfiliale in der Hauptstraße 66 schließt am 30. Juni endgültig.
2000 Die Post-Agentur im “Zeitschriftenshop Bernd Obermaier” schließt zum 30. November und eröffnet am 1. Dezember in der “Quelle-Agentur Hofmann” in der
Einsiedler Hauptstraße 83.
2004 Im Januar zieht in das Postgebäude Einsiedler Hauptstraße 66 eine private Sicherheitsfirma ein und nutzt das Gebäude fortan als Bürokomplex.
Zweimal Hauptstraße 66. Links in den 1930er Jahren als Gebäude der “Deutschen Reichspost”, rechts der 1954 fertiggestellte Neuaufbau, jahrzehntelang Domizil der “Deutschen Post”, jetzt Bürokomplex einer Sicherheitsfirma.
(Foto vom 1. September 2006).


Noch ein Vergleich “Gestern & Heute”:
Links Postkartenmotiv nach 1933, rechts ein Foto vom 1. September 2006. Wir sehen neben der Post im Vordergrund die 1883 gepflanzte Luther-Eiche.



Diese Tafel oben links wurde durch den Bürgerverein Einsiedel im September 2006 neben dem Baum angebracht, um ebenso wie der davor aufgestellte Gedenkstein an den Namensgeber der Eiche zu erinnern.
Leider ist dem Bürgerverein ein kleiner Fehler unterlaufen. Die Eiche wurde bereits im Jahre 1883 anlässlich Luthers 400. Geburtstag gepflanzt. Bereits Friedrich Hermann Löscher erwähnte 1905 in seinem Buch “Das Zwönitztal im Königreich Sachsen, dessen Umgebung nebst Industrie in Wort und Bild” diesen Baum namentlich.
Zu Luthers 450. Geburtstag im Jahre 1933 setzte man den links abgebildeten Gedenkstein.
