Das Rathaus zu Einsiedel...

...auf einer ganz frühen Aufnahme vom 29. Juli 1901. Hierbei handelt es sich um eine nachcolorierte Fotografie.

Das Einsiedler Rathaus wurde im Jahre 1900 in der Hauptstraße Nr. 79 fertig gestellt.
Am Ausgang des 19. Jahrhunderts reichte das Gebäude der Gemeindeverwaltung auf der Harthauer Straße 3 für die vielfältigen Verwaltungsaufgaben nicht mehr aus . Dies wurde durch das Wirtschaftswachstum und die rasante Zunahme der Bevölkerung begründet, beides Geschehnisse, die seit 1871 im gesamten Deutschen Reich zu verzeichnen waren und natürlich auch vor Einsiedel keinen Halt machten. Der Vorteil solch einer Vielzahl von Gewerbe und Einwohnern waren in erster Linie die damit einhergehenden, reichlichen Steuereinnahmen. Finanziell so gut bestückt, ließ sich der Gemeindevorstand in den Jahren 1898/99 mehrere Entwürfe für ein neues Rathaus vorlegen. Pläne, ein repräsentatives Rathaus in Einsiedel zu errichten, gab es bereits seit 1891.
Man entschied sich für einen Entwurf des Dresdener Architekten Karl Heinrich Schmiedel, der ein gebürtiger Einsiedler war. Dieser erhielt nach der Fertigstellung des Gebäudes von der Gemeindeverwaltung in Anerkennung seiner Verdienste eine Uhr geschenkt.

Am 29. September 1899 war Grundsteinlegung. Wie üblich, wurde eine Kapsel mit der Urkunde, einigen Münzen sowie aktuelle Bildnisse des deutschen Kaisers Wilhelm II. und des sächsischen Königs Albert im Fundament hinterlassen. Eine Ortszeitung mit der Schilderung der lokalen Verhältnisse vervollständigte den Inhalt der Kapsel.
Der Bauauftrag ging am den bedeutendsten Einsiedler Baubetrieb, die Firma Magnus Maximilian Seifert, die das Gebäude in kürzester Zeit fertig stellte, so dass bereits am 16. Juli 1900 die feierliche Rathausweihe erfolgte.
Die Baufirma Seifert sollte wenige Jahre später (1908) bei der Errichtung des “Waldesrauschen” ein noch höheres Bautempo vorlegen!

Hintergrundwissen Wilhelm II.
Wilhelm II. , geboren am 27. Januar 1859 in Berlin, Preußen, gestorben am 4. Juni 1941 in Doorn, Niederlande. Seit dem 15. Juni 1888 bis zur Abdankung am 9. November 1918 war Wilhelm II. der letzte Deutsche Kaiser und zugleich König von Preußen. Die Abdankung war vom Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig verkündet worden, da dies eine Bedingung der Alliierten für einen Waffenstillstand im 1. Weltkrieg darstellte. Wilhelm bestätigte die Abdankung erst am 28. November 1918, da er bereits am 10. November 1918 in die Niederlande geflohen war, wo er bis Lebensende Asyl erhielt. Nach ihm folgte die Republik, die Monarchie gib es seit dem in Deutschland nicht mehr.
Allgemein war und ist Wilhelm II. eine der umstrittensten deutschen Persönlichkeiten.
Das Deutsche Reich geriet aufgrund seiner expansiven Außen- und Flottenpolitik sowie zahlreicher unbedachter und kriegerischer Reden in eine außenpolitische Isolation, was wesentlich zu der für Deutschland ungünstigen Konstellation bei Ausbruch des 1. Weltkrieges beitrug (Zweifrontenkrieg). Anderseits entwickelte sich das Reich unter seiner Regentschaft zu einer der mächtigsten Industrienationen der Erde. Die eingeführten Sozialversicherungen und Reformen (Kranken, Unfall, Rente und vieles, was heute selbstverständlich erscheint) waren damals einmalig.

Das Rathaus im ersten Jahrzehnt seines Bestehens. Links Lithographie von 1905, rechts Fotopostkarte von 1908.
(Fotopostkarte: Bianca Werner)

Bereits bei der Planung des Gebäudes gab es Gedanken, gemeinsam mit der Postverwaltung zu bauen, um Kosten einzusparen. Später war es dann aber so, dass die “Kaiserliche Post” das Erdgeschoss des rechten Gebäudeflügels bezog. Dem waren schwierige Verhandlungen über die Miethöhe mit der Kaiserlichen Oberpostdirektion vorausgegangen. Die Post blieb bis zur Fertigstellung ihres eigenen Gebäudes in der Hauptstraße 66 im Jahre 1931 in den Räumen. Zu DDR-Zeiten (oben links eine Postkarte Ende der 1950er Jahre) wurden diese dann von der Sparkasse genutzt. Zwischen 1945 und 1954 kehrte die Post nochmals hierher zurück, da das Postgebäude beim Bombenangriff völlig zerstört worden war.

Das Rathaus im Jahre 1980. Die Beschädigungen durch den Bombenangriff am 5. März 1945 waren unbedeutend, die Bausubstanz ist in ihrer äußeren Erscheinung weitgehend erhalten geblieben.

Das Gebäude am 1. Mai 2005.


Das Rathaus mit “Lessingring” und “Wiesenufer” auf einer Luftbildaufnahme vom
17. August 2005.
In der Mitte die sich hinschlängelnde Einsiedler Hauptstraße mit der “Doktorbrücke.
(Foto: Uwe Guskowski)

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Diese Tafeln wurden durch den Bürgerverein Einsiedel im September 2006 am Grundstück angebracht, um auf die historische Bedeutung des Gebäudes hinzuweisen. Während man das Schild oben von der Hauptstraße aus betrachten kann, muss man sich für die Tafel “Gemeindearrestzellen” auf das “Hahngässchen” begeben, da diese an der Rückseite des Nebengebäudes in Hof angebracht ist (Fotos rechts oben und rechts).

Einsiedler Hauptstraße 79  
Das Rathaus zu Einsiedel.