










C. B. Reinicke...die Abkürzung steht einerseits für “Carl Bernhard Reinicke”, andererseits für ein über die Grenzen von Einsiedel hinaus bekanntes Handelshaus, dessen Geschichte mit Beginn der sozialistischen Ära in Einsiedel endete.
Links ein Foto wohl aus den 1930er Jahren, das Gebäude in seiner äußeren Architektur hat sich bis heute kaum geändert, die Nutzung gleichwohl. So man von einer Nutzung heute (Foto unten vom 22. April 2007) eigentlich nicht sprechen kann.
(Foto links: Ingobert Rost)
Die Werbeannonce aus einem “Einsiedler Wochenblatt” im Jahre 1935 sagt uns schon viel über das umfangreiche Warenangebot, es sei noch gesagt, dass auch Eisenwaren und Werkzeuge sowie “Staatliche Lotteriekollektion” (Lotto-Annahme) das Sortiment ergänzten.
Zum besseren Verständnis der Familienverhältnisse hier links ein Ausschnitt aus dem Einsiedler Adressbuch 1926/27 (Vorlage: Ullrich Krauß). In dieser Zeit war C.B. schon als Privatier eingetragen. Als Privatier bezeichnet man im allgemeinen Personen, die auf keine Erwerbstätigkeit mehr angewiesen sind, um ihre materiellen Bedürfnisse zu decken. Privatiere gibt es freilich auch heute noch, auch wenn die Standesämter dies heute nicht mehr als Berufsbezeichnung anerkennen.
Die Geschäfte führte um diese Zeit in erster Linie sein Sohn Erich, d.h. er bediente im Laden. Der zweite Sohn, Georg, auch er Kaufmann, saß im Rollstuhl. (Der Grund dafür, Lähmung oder Kriegsverletzung, ist derzeit noch nicht zweifelsfrei geklärt). Er war in den 1920er Jahren Vorsitzender des Einsiedler “Verein für Handel und Gewerbe”.
Oben eine Annonce aus dem “Chemnitzer Tageblatt” vom Oktober 1935, links eine Tüte mit Werbeaufdruck, in der im Geschäft offene Lebens- oder Genussmittel verkauft wurden, rechts eine Seite eines Rechnungsblockes aus den 1930er Jahren.
(Vorlagen: Andreas Wildfeuer).
Erich Reinicke hatte zwei Kinder: Suse, verheiratete Reibetanz, (sie wohnte bis zu ihrem Tode 2006 auf der Seydelstraße) und C.B. Junior.
1945 wurde die Firma Reinicke enteignet. Erich arbeitete später im Lohnbüro von “Polygraph” in der Wiesenstraße, C.B. Junior ging um 1957 in den Westen.
Rechterhand des Gebäudes der Anbau
(Foto vom 22. April 2007):
Hier befand sich zu Reinickes Zeiten die Niederlage (Lager) für Eisenwaren und Werkzeuge.
Ach ja, die Mauer. Jahrzehnte lang stand sie da und heute? Heute sehen wir schlecht erhaltenen Zaun und eine große Lücke an der Stelle (22. April 2007). Auf den heute noch erhaltenen Balkon über dem Anbau (rechtes Foto) wurde Georg in seinem Rollstuhl oft gefahren.
Zu DDR-Zeiten befand sich im Hauptgebäude die Arztpraxis von Dr. Fritz Rauh. Nach dessen Tod übernahm sein Schwiegersohn Dr. Rolf Dietel die Praxis. Ein Masseur-Salon war auch im Hause übergebracht. Als die “Staatliche Arztpraxis” in der Seydelstraße/Ecke Neue Straße 1978 fertig gestellt wurde und Rolf Dietel umzog, übernahm das DLK die Räume. In Nebenräumen befand sich auch noch der Fotograph Lothar Richter, der hier nebenberuflich bis 1990 arbeitete und über den Gang durch den Hof zu erreichen war.
Links die Hofeinfahrt am 22. April 2007, ganz früher befand sich hier eine Wellblechgarage, in der Reinicke seinen Dreirad-Lieferwagen von Fabrikat “Framo” parkte.
Nach der Wende verkaufte die Gemeinde das Haus an Eckhard Grunwald, der hier umfangreiche Bauarbeiten und Umbauten im Erdgeschoss vornahm und 1992 den ersten Supermarkt (Rewe) in Einsiedel eröffnete. Eine kleine Tafel an der Vorderfront des Gebäudes erinnert noch heute daran. Mit 100 m² Verkaufsfläche und als Lebensmittel-Vollsortimenter war er kurzzeitig das bedeutendste Geschäft dieser Art in Einsiedel. Grunwald ging später pleite und Andrea Hascheck (Eibenberg) übernahm das Geschäft. Nachdem diese einen weitaus größeren Markt in Burkhardtsdorf eröffnete und auch der innerörtliche Konkurrenzdruck ab 1994 durch den PLUS-Markt am Wiesenufer (670 m²) und den “Superspar” (Hauptstr. 97, seit 2000) immer größer wurde, war die Schließung des Geschäftes 2003 nur eine logische Folge.
Auch die Wohnungsmieter der oberen Stockwerke zogen sukzessive aus und heute steht dieses traditionsreiche Haus leer...


Später, in der DDR-Zeit, war hier ein Friseursalon. Anfangs Paul Haustein, danach sein Schwiegersohn Herbert Haase, später Margitta Landgraf (geb. Sand). Oben ein Werbeschild für den Salon Haustein in den 1950er Jahren. Das Schild stand auf einer mosaikartigen, halbrunden Mauer, die die Grundstücksecke Hauptstraße-Kirchgasse begrenzte.
Bevor dieses Gebäude errichtet wurde, befand sich an gleicher Stelle ein sogenanntes Zechenhaus. Es war Heimstatt einiger Bergleute, die im dahinter liegenden Hang (wohl recht erfolglos) geschürft hatten. Danach wohnten Fischer darin, die ihre Forellen und Lachse auch an das Kloster in Chemnitz lieferten.
Aber kommen wir zurück zu dem Gebäude, dass später die Firma C.B. Reinicke beherbergen sollte...
