Das Gebäude am 23. Juli 2004. Der hölzerne Treppenaufgang ist durch einen massiven Anbau Mitte der 1970er Jahre ersetzt worden.



Die Hausnr. 93 in einer Aufnahme von etwa 1936. Zu dieser Zeit betrieb der Eigentümer Arthur Matz im Hause seine Klempnerei, wie uns die unten stehende Anzeige aus dem “Einsiedler Wochenblatt” von 1935 verrät.
Weiterhin befand sich direkt an der Straße eine Zapfsäule für Benzin der Mineralölgesellschaft “Standard”.
Das gleiche Flurstück 1972. Aus den Resten und Grundmauern des ehemaligen Hauptgebäudes ist ein Anbau geworden, der zu Lager- und Wirtschaftszwecken genutzt wird. Das vormalige Hintergebäude ist jetzt ein vollständig ausgebautes Wohnhaus.
(Foto: Jörg Herrmann)



Max Arnolds Ehefrau und Witwe Toska wohnte bis zu ihrem Tode im Frühjahr 1990 in der Nr. 93.
Sie wurde am 19. November 1887 geboren und war mit über 102 Jahren vermutlich die bisher älteste Einsiedler Bürgerin.
(Foto: Jörg Herrmann)


Das Foto links zeigt Toska Arnold zu ihrem 100sten Geburtstag am 19. November 1987 zusammen mit dem Vorsitzenden der CDU des ehemaligen Bezirkes Karl-Marx-Stadt, Joachim Gelfert. Sie war seit 2. November 1945 Mitglied dieser Partei. Ihr Ehemann, Max Arnold, war Mitbegründer der Ortsgruppe Einsiedel der CDU.
(Foto: Jörg Herrmann)


Parteiabzeichen
CDU (DDR)
Hintergrundwissen CDU (DDR):
Die (Ost-)CDU wurde am 26. Juni 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet, nachdem die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) die Etablierung “antifaschistisch-demokratischer Parteien” in der Sowjetischen Besatzungszone zugelassen hatte.
Der anfängliche Name lautete Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDUD). Die Ziele der Partei (geistige und religiöse Gewissensfreiheit, sowie Demokratie im westlichen Sinne) konnte die CDUD unter sowjetischen Druck allerdings kaum verwirklichen.
Aus diesem Grunde schloss sich die Partei der Nationalen Front der DDR an und etablierte ab 1952 ähnliche Parteistrukturen wie die SED, so dass das Vermögen der Partei und der politische Kurs von einigen wenigen Generalsekretären kontrolliert wurde. Mit diesem Kurswechsel waren drastisch sinkende Mitgliederzahlen verbunden, sie sanken von 218.000 im Jahre 1947 auf 70.000 um 1950.
Erst in der Wendezeit in den späten 1980er Jahren konnte die DDR-CDU wieder aus der Bedeutungslosigkeit als Blockpartei hervorkommen.
In den Wendewirren konnte sie bei der Volkskammerwahl 1990 in der "Allianz für Deutschland" zusammen mit dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU) überraschenderweise die absolute Mehrheit erlangen. So stellte die CDU die letzte Präsidentin der Volkskammer der DDR (Sabine Bergmann-Pohl). Am 1. Oktober 1990 ging die Partei in die West-CDU über.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Tankstelle nicht mehr genutzt und verfiel im Laufe der Zeit. Die leere, verrostete Karkasse der Zapfsäule bestand bis weit in die 1980er Jahre.
Links die Reste der Tanksäule im Jahre 1986. Die oben befestigten Peitschenlampen fehlen bereits, die beiden im Inneren angebrachten, gläsernen 5-Liter-Zylinder zum Abmessen der Benzinmenge sind noch sichtbar.
Das Gebäude selbst fiel dem Bombenangriff am 5. März 1945 zum Opfer und wurde nicht wieder errichtet. Statt dessen wurde das weniger beschädigte Hintergebäude (links hinter der Zapfsäule erkennbar) wieder aufgebaut und dient noch heute als Wohnhaus.
(Foto: Jörg Herrmann)
Der aufmerksame Betrachter erkennt zwischen Zapfsäule und Mast ein Emaileschild für die “Dienstglocke”. Also bitte klingeln, wenn Treibstoff gewünscht wird...
Dieses Schild existiert noch heute, wie wir rechts auf dem Foto erkennen.
(Liebe Sammler: Es hängt nicht mehr vorne am Zaun!)


Arthur Matz verkaufte später das Grundstück an Max Arnold, dessen Erben es noch heute besitzen.

Links: Gratulationsschreiben der SED-Bezirksleitung auf feinem Prägepapier anläßlich des 102. Geburtstages (Abschrift):
Sozialistische Einheitspartei Deutschland
Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt
1. Sekretär
Rat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt
Vorsitzender
Sehr geehrte Frau A r n o l d !
Die Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und der Rat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt übermitteln Ihnen anläßlich Ihres
102. Geburtstages
die herzlichsten Grüße.
Wir verbinden unsere Glückwünsche mit der Hoffnung, daß Sie als eine der ältesten Bürgerinnen unseres Bezirkes Karl-Marx-Stadt noch weitere schöne Jahre liebevoll umsorgt verbringen mögen.
(Unterschrift) (Unterschrift)
Norbert Kertscher Lothar Fichtner
1. Sekretär der Vorsitzender des
SED-Bezirksleitung Rates des Bezirkes
Karl-Marx-Stadt, am 19. November 1989
