Die gleiche Stelle wie die oberen Fotos, aufgenommen im September 2004. Das Gebäude wird auf der Seite “Feuerwehr” eingehender beschrieben.
Der Bus und die beiden PKW gehören zum Wahlkampfteam des sächsischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Georg Milbradt, als dieser während des Landtagswahlkampfes in Sachsen 2004 hier Halt machte.

Die Freifläche Ende der 1970er Jahre.

Ästheten bitte weiterscrollen!
Ein Original Trockenclosett aus dem Gasthof Einsiedel, 1945 aus den Trümmern geborgen, ist noch heute in einem Kleingarten in Benutzung...

1945. Wie die meisten Gebäude im Ort wurde auch der “Gasthof Einsiedel” am 5. März 1945 ein Opfer der Bomben. Das Gebäude war dermaßen zerstört, das es nicht wieder aufgebaut wurde. Das Foto zeigt die Frontseite zur Hauptstraße und den südlichen Giebel. Nach Abtragung der Ruinen blieb eine große Freifläche zurück. Rechts im Bild noch die Zapfsäule der “Aral-Tankstelle Georg Wittig”.
Der weniger beschädigte Pferdestall wurde als eine der ersten Baumaßnahmen der Gemeinde nach dem Krieg repariert und umfassend ausgebaut und sollte dann über 50 Jahre als “Feuerwache” dienen...
(Foto: Frank Schimmel)

Was der Großvater noch wußte oder die Geschichte am Rande...:

Linksseitig am Gasthof Einsiedel, nur durch einen separaten Eingang zu erreichen, befand sich der “Braune Bär”. Dies war eine Art Kneipe oder besser gesagt Kutscherstube im Gasthaus, die auch speziell für diese Kundschaft ausgelegt war. Beispielsweise befanden sich außen am Anbau Ringe zum Festzurren der Pferde. Der “Braune Bär” war also mehr eine Lokalität, wo’s was zum Trinken, weniger zu essen gab. Das Niveau der Gastlichkeit des “Braunen Bären” lag freilich auch unter der des “Gasthof Einsiedel”, obwohl beides vom gleichen Wirt betrieben wurde. Aber selbstredend hatte auch der “Brauner Bär” seine Klientel, beispielsweise den Fuhrunternehmer Bruno Ullmann. Dieser trank gern, meist zuviel, und wenn er irgendwo hängen geblieben war oder auf dem Kutschbock einnickte...die Pferde fanden den Heimweg allein und seine Frau spannte dann zu Hause aus.
Und hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Bruno einmal ein Pferd mit in den “Bären” reingenommen hätte...

Schwertransport im Deutschen Kaiserreich:
Zwölf PS müssen reichen, um den Heizkessel zu transportieren. Es handelt es sich hierbei um einen bei der Maschinenfabrik Germania hergestellten Kessel, der im Zuge der Neubauarbeiten im Einsiedler Brauhaus 1907 bis 1908, von da bestellt wurde und nunmehr geliefert wird.
Aber vorher wird im “Gasthof Einsiedel” gerastet.
(Foto: Thomas Schwebe)

Hintergrundwissen Hippodrom:
In früheren Jahren meist auf Volksfesten und Jahrmärkten zu finden gewesen. Es handelte sich um große Zelte, manchmal auch Gebäude, in denen jedermann gegen Entgelt in einer Arena reiten konnte.

Der “Gasthof Einsiedel” in der Hauptstraße 95 auf zwei alten Fotopostkarten, beide zwischen 1910 und 1915.
(Vorlage obere Karte: Doris Großmann)
Das traditionsreiche Haus in der Ortsmitte war eine der größten Einkehrstätten in Einsiedel. Von 1888 bis zur Fertigstellung des neuen Rathauses fanden hier auch die Sitzungen des Gemeinderates statt, die letzte am 16. Juli 1900. Eine große Gaststube und ein noch größerer Saal prädestinierten das Lokal auch für Vereinsversammlungen und öffentliche Tanzveranstaltungen. Als Verein sei hier der “Turnverein Einsiedel” genannt, der sich 1870 im gleichen Gasthof gründete.
Ging man durch das Gasthaus hindurch, kam man zur rückseitig angebauten Kegelbahn. Neben dem Gebäude fand sich in nördlicher Richtung noch der zugehörige Pferdestall. Meist an Sonntagen kam aus Chemnitz eine von den (reiterfahrenen) Einsiedlern bissel abschätzig “Hippodrom” genannte Reitschule, um Mittag zu essen und dann zurückzureiten. Der Pferdestall diente dann als zeitweiliger Unterstand für die Tiere, bis das “Hippodrom” wieder heimwärts tingelte.
Wie uns die Reklameanzeige in den “Chemnitzer Neuesten Nachrichten” vom 8. Februar 1913 verrät, besaß der Gasthof eine große Ausspannung. Ob diese jemals solche Dimensionen annahm, dass ein Pferdetausch stattfand (wie an den großen Salzstraßen), ist nicht bekannt.
Bekannt dafür ist, was später aus dem Pferdestall des Gasthofes wurde, siehe dazu den Artikel:
Hauptstraße 95 - Feuerwache.

In den vielen Jahren seines Bestandes hatte der Gasthof natürlich auch wechselnde Besitzer, nach denen er oft benannt wurde. 1905 hieß das Gebäude “Schröders Gasthaus”, davor “Stöckels”, um 1914 ist ein Herr Canzler bekannt, 1929 waren Max Zesewitz als Eigentümer und Hermann Vogel als Pächter erfaßt.

Ende der 1920er Jahre, die “Freiwillige Sanitätskolonne Einsiedel” im Vorbeimarsch vor dem Gasthof. Wir wollen uns aber dem Schriftzug zwischen dem Fenster und der Tür links im Erdgeschoss widmen:
“Zum braunen Bär”
Beim “Braunen Bär” handelte es sich um den linken Anbau am Gasthof, der auf dem nebenstehenden Foto deutlich zu sehen ist. Ich empfehle dazu die nachstehende Geschichte...

Im “Dritten Reiche”:
Die Einsiedler Schutzhundestaffel zieht am Gasthof vorbei.
Seit Jahrzehnten besaß der Gasthof rückseitig eine Kegelbahn. In den späteren Trümmern wurde diese Plakette von einem Pokalsockel gefunden:

Also, ich habe mich extra bei einem Einsiedler “Kegelspezialisten” erkundigt, was die Zahlen bedeuten, da ich davon keinerlei Ahnung habe.
Die Ziffenfolge muss hintereinander gekegelt werden und bei der “8” muss der mittlere Kegel (König) stehen bleiben.


eh95 vor 18971

Eine ganz früher Aufnahme des Gasthofes. Man achte auf die rechte Gebäudehälfte.
Vermutlich hat dieser Fachwerkbau schon lange Zeit gestanden, später hat man dann links den Gasthof angebaut. Erste Lithographien aus dem Jahre 1897 zeigen aber schon das allseits bekannte Motiv mit dem Bauzustand wie die beiden Karten eingangs der Seite. Es ist also davon auszugehen, dass vor 1897 der Fachwerkbau rechts komplett abgerissen wurde und bei der Neuerrichtung sowohl architektonisch wie auch im Bezug auf die Größe an die linke Gebäudehälfte angepasst wurde.
(Foto: Ekkehard Mühlmann)

Einsiedler Hauptstraße 95  
vormals "Gasthof Einsiedel"