Und noch ein Demonstrationszug vor dem Gebäude Neue Straße 2, diesmal zu DDR-Zeiten. Der Fahnenschmuck am Hause legt auch hier die Vermutung nahe, dass es sich um eine Maiveranstaltung handelt. Andererseits fehlen die bei derartigen Ereignissen damals obligatorischen Plakate mit den “Sozialismus- und Friedensparolen” und die DDR- und Arbeiterfahnen.
(Foto: Torsten Richter)

Noch ein Foto aus “demonstrationsloser” Zeit,
vom 14. September 2004.

Hintergrundwissen Arbeiterfahne:
Seit 1834 trugen in Frankreich streikende Seidenarbeiter rote Fahnen. Mit der Revolution 1848/49 kamen sie auch nach Deutschland und wurden vor allem zum Symbol des radikalen Flügels. 1863 versammelten sich die Anhänger des von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinem Deutschen Arbeitervereins (ADAV / Vorläufer der heutigen SPD) unter einer roten Fahne mit der Aufschrift „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit".
Die rote Fahne geriet ins Zwielicht, als sich die Arbeiterbewegung ab 1914 spaltete. Nach der russischen Oktoberrevolution wurde sie (mit goldenem Hammer, Sichel und Stern in der linken oberen Ecke) zur sowjetischen Staatsflagge und weltweitem Erkennungsmerkmal von Kommunisten und deren Sympathisanten. In der Weimarer Republik wanden sich die Sozialdemokraten von der roten Fahne ab und der schwarz-rot-goldenen Staatsflagge zu. Im Dritten Reich wurden ab 1933 beide Fahnen verboten. Nach Ende des 2. Weltkrieges kehrten die linken Parteien aller Besatzungszonen zum traditionellen Rot zurück. In der DDR wurde später gelehrt, dass die Farbe Rot das Blut der Arbeiter darstellt, welche bei Demonstrationen für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen von der „Reaktion“ erschossen wurden und fielen. Sie rissen die Fahnen mit sich und diese wurden vom Blut durchtränkt, aber der Nächste hob sie auf und hielt sie wieder hoch. Siehe dazu auch das nachfolgende Lied, welches an den Polytechnischen Oberschulen in der gesamten DDR gelehrt wurde:
 “Ich trage eine Fahne...”

In der Regel verwenden noch heute die linken Parteien rote Fahnen ohne Text oder mit dem meist weißen Parteikürzel.

Links das Gebäude in der Zeit des “Dritten Reiches”. Eine undatierte Aufnahme, vermutlich aber an einem 1. Mai. Rechts die gleiche Stelle am 27. September 2005.
(Foto: Peter Hollstein)

Über das Gebäude Einsiedler Neue Straße 2 sind bisher leider fast keine Daten bekannt.

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Einsiedler Neue Straße 2