Der
hieß auch schon:
Von ? bis 1996: Fabrikstraße
Der Name rührt daher, dass die “Fabrikstraße” bis 1878 eine Privatstraße der Strumpffabrik “Wex & Söhne” war.
Anfangs verlief sie beginnend etwa am Südende der “Einsiedler Neuen Straße” (ehemals “Reichsstraße”) Richtung “Wex-Fabrik”, weiter in östlicher Richtung wieder auf die “Neue Straße” zu, überquerte diese, folgte dann etwa 300 m dem Verlauf der Zwönitz und endete als Sackgasse. 1878 wurde die “Fabrikstraße” -rechtlich durch die kommunale Bauordnung geregelt- zur öffentlichen Straße erklärt. Im gleichen Jahr wurde der von “Wex & Söhne” in südlicher Richtung zur “Einsiedler Neue Straße” führende Teil in “Rosenstraße” umbenannt.
Irgendwann nach 1954 erfolgte dann noch auf der anderen, in östlicher Richtung liegenden Seite eine Umbenennung in “Feldstraße”, und zwar der Straßenteil nach der “Neuen Straße”. Diese Aktion war allerdings eine logische Konsequenz; da die “Feldstraße” sowieso auf halber Strecke in die “Fabrikstraße” mündete. So wurde durch Umbenennung die “Fabrikstraße” zweimal zu Gunsten einer anderen Straße verkürzt. Man bemerkt diese Verkürzung noch heute, da die ungeraden Hausnummern mit der “9” beginnen.
Mit der Eingemeindung nach Chemnitz (1. Januar 1997) wurde sie in “Fabrikweg” umbenannt, da eine “Fabrikstraße” in Chemnitz bereits existierte und keine Straßen mit identischer Bezeichnung in einer Kommune bestehen dürfen.
Das Gebäude Fabrikweg Nr. 4, das “Langhäusl” oder auch “Totengräberhäusl”. Links auf einer Postkarte, rechts als Fotographie etwa zwischen 1900 und 1925. Im Hintergrund das Gebäude Fabrikweg 15.
(Standortrecherche: Bernd Obermaier)
Das Gebäude hat sich bis 24. Oktober 2004 nur geringfügig verändert. Völlig verschwunden ist das Gebäude Fabrikweg 15. Nach einem Bombentreffer am 5. März 1945 wurde es nicht wieder aufgebaut, an der Stelle ist heute ein Garagenkomplex.
Der Fabrikweg Nr. 9. Aufnahme Mitte der 1980er Jahre. Mit diesem Gebäude beginnt der Fabrikweg, siehe dazu auch Einleitung oben. Vorne links noch zu sehen der überdachte Fahrradständer der Schule.
(Foto: Torsten Richter)
Durch Anclicken eines der nachfolgenden Verweise springen Sie direkt zum jeweiligen Eintrag auf dem Fabrikweg:
4 9 Strumpfwarenfabrik “Wex & Söhne”
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24. Oktober 2004. Auch dieses Gebäude hat sich äußerlich kaum verändert.

Die andere Giebelseite von Fabrikweg Nr. 4 in den 1950er Jahren.


Zur Strumpffabrik „Wex & Söhne“
Einem Teil der Einsiedler Bevölkerung ist der Begriff „Garagenkomplex Wex-Platz“ geläufig. Aber welche Geschichte sich dahinter verbirgt, das ist für viele eine große Unbekannte. Bringen wir etwas Licht hinein.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann mit der Industrialisierung auch der Siegeszug der Baumwollspinnereien. So baute auch der Seilermeister Schnabel an diesem Ort in den Jahren von 1810-1817 eine solche.
1847 verkauft er seine Fabrik an einen Bernhard Kraner. Dieser beginnt den Betrieb umfangreich zu erweitern. Bald liefen 4.000 Spindeln.
1876 erwirbt Richard Loesner die Spinnerei und baut sie zu einer Strumpffabrik um. Seine in Chemnitz unter dem Namen „Wex & Söhne“ bestehende wird komplett nach Einsiedel verlegt.
Ursprünglich hieß die am 1.9.1828 gegründete Fabrik „Wex & Lindner“. Danach trat Loesner für Lindner ins Firmengeschäft ein. Richard Loesner und Georg Vollmer waren die Schwiegersöhne von Adolf Wex, daher entsteht am 1.9.1858 die neue Firmierung: „Wex & Söhne“. Schwiegersöhne klingt nicht so gut.
1878 wird Paul Gläntzel Teilhaber bis 1890. Loesner geht in den Ruhestand. Nun leitet Gläntzel den Betrieb allein bis zu seinem Tod 1898.
Die erbende Witwe, eine geborenen Großmann, verkauft dann den Betrieb am 1. 12. 1901 zu gleichen Teilen an ihren Bruder Emil Großmann (1868-1934) und an einen Richard Rodig (1852-1926).
Seit 1926 führen dann die Söhne der beiden, Karl Emil Großmann (1907-1945) und Fritz Rodig (1896-1972), den Betrieb gemeinsam weiter.
Kurz vor Kriegsende wird Großmann wegen so genannter Wehrkraftzersetzung von den Nazis hingerichtet. Schuld war seine Äußerung, dass man den Krieg nicht mehr gewinnen könne. Offensichtlich ist er denunziert worden.
So erlebte er den Untergang seiner Fabrik am 5.3.1945 nicht mehr. Sein Kompagnon Rodig wohnte bis zu seinem Wegzug nach Memmingen 1953, noch im teilaufgebauten ehemaligen Bauer-Gut, von ihm „Löwenbruch“ genannt.
P.S.
Die 1810 erbaute ehemalige Schnabelsche Spinnerei brannte am 5.4.1892 völlig aus. In drei Etappen wurde dann eine völlig neue Fabrik errichtet, 1893, 1906 und 1924. Am 5. März 1945 wurde sie wieder ein Opfer der Flammen. Das in der Hauptstraße 107 befindliche Fabrikgebäude benötigte man ab 1924 nicht mehr, verkauft es an einen Oskar Lohs, der daraus Wohnraum für 18 Familien schuf. Auch dieses Gebäude brannte am 5. März 1945 nieder.
Bei der Grundsteinlegung für die neue Fabrik am 22. August 1892 durch die Firma Magnus Seifert mauerte man eine Urkunde in den Grundstein mit ein.
Darin war nachzulesen, dass der Preis für 1.000 Ziegel frei Bauplatz 16,50 Mark betrug. Der Stundenlohn für einen Maurer war mit 25-28 Pfennigen und der für einen Handlanger mit 17-20 Pfennigen angegeben.
Weiter stand geschrieben, dass der Sommer 1892 äußerst trocken sei und infolge Wassermangels wären in der Zwönitz viele Fische gestorben.
In Deutschland grassiere eine Cholera-Epidemie, besonders stark trete sie in Hamburg auf. Täglich verzeichne man bis zu 200 Tote.
Beim Brand seien Schäden im Werte von 200.000 Mark (Maschinen), 100.000 Mark (Material) und 50.000 ? Mark am Gebäude entstanden.
I. Rost
Hinweis:
Der vorstehende Text zu “Wex & Söhne” wurde mir freundlicherweise durch den Autor, Herrn Ingobert Rost, als Vorabveröffentlichung zur Verfügung gestellt.
Carsten Claus, 26. Januar 2006
Nachtrag:
Der Artikel wurde durch den Autor im “Einsiedler Anzeiger” im September 2007 veröffentlicht.

Die Schnabelsche Spinnerei um 1840 in der Bildmitte (mit Turm). Links dahinter die Kirche, vorne das Gebäude Hauptstr. 98, links daneben ist heute die Einmündung Berbisdorfer Straße.

1914 sehen wir in etwa vom gleichen Standort aus in der Bildmitte die untere, ganz rechts am Rand noch die obere Fabrik. Zehn Jahre später entsteht in dieser Fabrik Wohnraum für 18 Familien.

Ein Blick in die Näherei um 1935.
(Foto: Friedrich Schimmel)

Teile der Fabrik mit Heizhaus aus östlicher Richtung gesehen. Ganz rechts am Bildrand ist noch die Schule zu erkennen.
(Foto: Ingobert Rost)

Die Ruinen am 30. März 1946 in einer Zeichnung von Walter Viertel.
(Vorlage: Ingobert Rost)


Teile der Fabrikruine am 17. April 1946 in einer Zeichnung von Walter Viertel. Vorne der Flachbau ist Rodigs Wohnhaus bis 1953, der “Löwenbruch”.
(Vorlage: Thomas Schwebe)
Der “Löwenbruch” in den 1950er Jahren. Der Name rührt von dem auf beiden Bildern erkennbaren Torbogen mit dem Löwenkopf her. Heute ist das Gebäude das Wohnhaus von Dr. Rolf Dietel.
(Foto: Thomas Schwebe)
Die nachfolgenden Fotos verdeutlichen uns noch einmal die Dimensionen der Fabrikanlagen:


Undatiert, vermutlich 1920er Jahre.
(Foto: Thomas Schwebe)


Die Fabrikanlagen um 1940.
(Fotos: Ingobert Rost)

Das Nachkriegsfoto links (Ingobert Rost) zeigt uns einen provisorisch wieder instand gesetzten Teil der Fabrik. Fritz Rodig nahm hier vorerst die Produktion in geringer Höhe wieder auf, bevor er 1953 nach Memmingen übersiedelte. Die Reste der Fabrik wurden wahrscheinlich um 1955 abgetragen. 1954 haben sie auf alle Fälle noch gestanden, wie uns das Hochwasser-Foto oben rechts (Doris Großmann) offenbart. Dem Betrachter zeigt sich die überflutete “Wex-Brücke” zwischen Fabrikweg und Hauptstraße und im Hintergrund noch Teile dieser ehemals so großen und erfolgreichen Firma.

So, und wer noch immer nicht genug hat von “Wex & Söhne”, dem sei der nachfolgende Artikel aus dem Jahre 1899 ans Herz gelegt, ergänzt er doch die bisher erhaltenen Informationen um wertvolle Details...:
Wex & Söhne, Chemnitz und Einsiedel
Strumpfwarenfabrik
17. August 2005. Wir erkennen in der Bildmitte den eingangs beschriebenen Garagenkomplex. Das helle Gebäude links davon, direkt in der Innenseite des Zwönitz-Knies, ist das ehemalige Prokuristenhaus von “Wex & Söhne”. Von hier aus leiteten auch die zahlreichen Inhaber die Geschicke der Firma. Der aufmerksamen Betrachter lege ich es nahe, einen Vergleich mit der Zeichnung ganz am Anfang des Kapitels zu ziehen, zeigt sie doch ebenfalls dieses Gebäude (unmittelbar über der Bildzeile “Untere Fabrik Einsiedel”).
Das große Gebäude im Vordergrund rechts ist ein “Rest” der ehemaligen oberen Fabrik. Auch dieses Gebäude (Hauptstraße 107) ist im unmittelbaren Vergleich mit der Zeichnung am Kapitelanfang wieder zu erkennen.
Unter den ältesten Firmen der sächsischen Strumpfwarenindustrie nimmt die Firma „Wex & Söhne“ einen der hervorragendsten Plätze ein und ihr Name, der in allen Gegenden der Welt, wohin ihre Waren gingen, ebenso bekannt als geachtet ist, verdient in unserem Werke ganz besonders erwähnt zu werden.
Dieses Strumpffabrikations- und Exportgeschäft wurde am 1. September 1828 von der Herren Adolph Wex und Theodor Lindner gegründet und unter der Firma „Wex & Lindner“ geführt, bis sich Herr Theodor Lindner aus Gesundheitsrücksichten von den Geschäften zurück zog und die Firma auf den verbleibenden Teilhaber Herrn Adolph Wex und dessen Schwiegersöhne, die Herren Georg Vollmer und Richard Loesner überging, welche vom 1. September 1858 ab als „Wex & Söhne“ firmierten.
Nach dem Tode des Mitbegründers, des Herren Adolph Wex und seines Schwiegersohnes, des Herrn Georg Vollmer, setzte Herr Richard Loesner das Geschäft eine Zeit lang allein fort, nahm sodann aber am 6. Dezember 1878 Herrn Paul Gläntzel als Teilhaber auf, welche beiden Herren das Geschäft unter Beibehaltung der Firma Wex & Söhne bis April 1890 gemeinschaftlich weiterführten, zu welchem Zeitpunkte sich Herr Richard Loesner wegen Kränklichkeit in das Privatleben zurückzog. Das Geschäft ging hierauf an Herrn Paul Gläntzel als alleinigen Besitzer über.
Die Firma befasst sich seit der Gründung mit der Fabrikation von Strumpfwaren aller Art, von den billigsten bis zu den feinsten Qualitäten in Baumwolle, Wolle und Seide und hat namentlich auf den Gebiet des Exportes, speziell nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, ganz bedeutende Erfolge erzielt, indem sie auf diese Weise nicht nur den eigenen Namen in hohes Ansehen brachte, sondern auch bahnbrechend wirkte für die deutsche Industrie im allgemeinen.
Die Firma nimmt heute in der Strumpfbranche einen der ersten Plätze ein und wird an Größe und Ausdehnung kaum von einen anderen Hause der Branche übertroffen.
Als im Jahre 1860 die Erfindung der sogenannten „Paget-Strumpfmaschinen“ durch den Engländer Paget in England aufsehen erregte, erkannte auch die Firma „Wex & Söhne“ die Vorteile dieser neuen Erfindung sehr bald und um sich die selbe nutzbar zu machen, sicherte sie sich das Recht der Ausübung dieses Patentes für Deutschland, nach welchem sie in eigenen Werkstätten die Herstellung solcher Maschinen vornahm und sich mit der Verbreitung dieser schnell in Aufnahme kommenden, bewährten Verbesserung in der Anfertigung von Strumpfwaren energisch befasste.
Herr Paul Gläntzel, der sich besonders um die Erfindung der später erfundenen, nach dem Namen des Erfinders benannten „Cotton“-Maschinen verdient gemacht hat, trug nach seinem Eintritt in das Geschäft wesentlich zur Vergrößerung des selben bei, vermöge seiner reichen Erfahrung, welche er während langjähriger Tätigkeit in den Vereinigten Staaten und in dem Wirkwaren-Industriebezirke seines Vaterlandes zu sammeln Gelegenheit hatte, so dass ihm die Genugtuung, das Wachstum der Firma von Jahr zu Jahr ein größeres zu werden zu sehen, nicht versagt bleiben konnte.
Das Geschäft wird von Chemnitz aus geleitet, wo sich mit der Zeit bedeutend vergrößerten und entsprechend eingerichteten Gebäuden, die Warenübernahme, die Kontore, die Appretur, Presserei, Formerei, Aufmachungssäle und Packerei befinden, während die Fabrikation teils in dem ca. 2 Stunden von Chemnitz entfernten Orte Einsiedel in zwei umfangreichen Fabrikanlagen teils unter Heranziehung der bedeutenden Hausindustrie, dort und in vielen anderen Orten des sächsischen Erzgebirges betrieben wird.
Die Firma beschäftigt in ihren eigene Räumen, außer dem aus ca. 50 Personen bestehenden Kontorpersonale, gegen 700 männliche und weibliche Arbeiter, wovon auf Chemnitz ca. 300 Arbeiter und auf Einsiedel ca. 400 kommen. Die Zahl in der Hausindustrie für die Firma beschäftigten Arbeiter ist noch bedeutend größer, so dass durch diese Firma eine stattliche Zahl Arbeiter das ganze Jahr hindurch guten Verdienst findet.
Die eine der Fabriken in Einsiedel wurde am 5. April 1892 durch Feuer zerstört, an Stelle der selben ist seit dem ein neuer, größerer Bau aufgeführt und mit Maschinen neuester Konstruktion ausgestattet worden.
Die Firma besitzt verschiedene Medaillen, welche sie auf den von ihr beschickten Ausstellungen erhalten hat.
Ihre Produktion ist, wie aus den vorangegangen leicht zu schließen, eine ganz bedeutende. Der Absatz der selben erfolgt durch zahlreiche Vertreter, sowie Kommissionshäuser, nach allen Teilen der Erde zum Ruhme der deutschen Wirkwarenindustrie und wir wünschen und hoffen, zur Förderung und Verbreitung derselben für fernere Zeiten.
(Quelle: Buch “Chemnitz am Ende des XIX. Jahrhunderts”, Verlag Körner & Lauterbach, Chemnitz 1899)
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