Foto rechts:
Das Naturbad in einer Aufnahme zwischen 1930 und 1931.
Das Gebäude im Hintergrund wurde von den Einsiedlern “Schweizerhäusel” genannt. Es war das Vereinshaus.
(Foto: Kurt Morgenstern)

Schon länger war der Verein am Betrieb einer Badeanstalt in Einsiedel interessiert. Bereit 1907 sollten die “Fischmüllerteiche” an der Berbisdorfer Straße (da, wo heute das Freibad steht) ausgebaut werden. Die amtliche Genehmigung lag längst vor, nur scheiterten die Gespräche mit dem Grundeigentümer (einem Bauer Rößler) endgültig, nachdem sie sich vorher über viele Jahre hingezogen hatten. Endlich, im Jahre 1920, konnte man sich mit dem Einsiedler Kirchenvorstand über die Pachtung des Kirchteiches einigen. Nun ging es aber los. Die Vereinsmitglieder sammelten Eindrücke und Erfahrungen bei umliegenden Bädern und setzten diese Erkenntnisse beim eigenen Badbau um. 1921 wurde das Grundstück eingezäunt, 1924 wurde der Teich durch Ausschachtungen vertieft und vergrößert und ein Umkleideraum geschaffen.

Das vormalige Naturbad am 26. September 2004 (links) und am 30. April 2006 (rechts). Der Teich ist völlig zugewachsen. Das Vereinshaus fiel dem Bombenangriff im März 1945 zu Opfer. An gleicher Stelle einstand nach dem Krieg ein Wohnhaus. Zwischen diesem und dem Teich befindet sich seit Ende der 1990er Jahre noch ein Einfamilienhaus (im Hintergrund zwischen den Bäumen noch erkennbar).

Das Einsiedler Naturbad befand sich am oberen Ende des Harthauer Weges, heute das Hausgrundstück Nr. 15. Initiator für die Schaffung des Bades an dieser Stelle war der am 18. Februar 1886 gegründete „Naturheilverein Einsiedel e.V.“.

1925 wurde ein Toilettenhäuschen gebaut und eine Abmachung mit der Schule ermöglichte es, den Einsiedler Kindern Schwimmunterricht zu geben. Die Konzession für eine Schankwirtschaft ließ später auch eine Bewirtung außerhalb des Vereins zu.

Politisch betätigte sich der Verein nicht, seine „Kaisertreue“, d.h. die Anhänglichkeit zur Ende 1918 untergegangenen Monarchie in Deutschland wurde aber durch immer wiederkehrende Teilnahmen an den so genannten „Kaiserfeiern“ bewiesen.
In den 1930er Jahren sank die Anzahl der Mitglieder ständig, und irgendwann – das Datum ist nicht bekannt – löste sich der Verein auf. Einerseits wird spekuliert, dass durch die Gleichschaltung auch im Vereinsleben, welche ab 1933 in Deutschland einsetzte, die Vereinskultur eine dermaßen große Störung erfuhr, das die Auflösung nur eine logische Folge war. Auch wurden Anhänger der Monarchie in dieser Zeit teilweise politisch verfolgt.
Andererseits wurde sportliche Betätigung im „Dritten Reich“ außerordentlich gefördert. Hier bleibt also für Spekulationen noch reichlich Platz.
(Kerndaten: Kurt Morgenstern)

Foto links: Badebetrieb Ende der 1920er Jahre.
Foto unten: Badfest Anfang der 1930er Jahre.


Das Naturbad ist nicht zu verwechseln mit dem Freibad, dieses war bereits damals und ist noch heute auf der Berbisdorfer Straße 51 zu finden.

Harthauer Weg 15    
vormals "Naturbad"