Ein Hinweis vorab:
Die ebenfalls seit ihrer Eingemeindung 1935 als Filial zu Einsiedel gehörende Kirche Berbisdorf wurde in die Seite “Berbisdorf” integriert, um den dörflichen Charakter dieses Ortsteils nicht aus dem Zusammenhang zu reißen.


Die heutige Einsiedler Kirche St. Jakobi –dem Apostel Jakobus dem Älteren geweiht - ist mindestens der dritte Kirchenbau in Einsiedel.

Über Jakobus (...der Wahre) findet sich einiges in der Literatur. Er war Fischer in Galiläa und Sohn des Zebedäus und der Salome sowie Bruder des Evangelisten Johannes. Nach dem Pfingstereignis (d.h. das von Jesus angekündigte Kommen des “Heiligen Geistes” wird gefeiert) wurde Jakobus Vorsteher der christlichen Gemeinde zu Jerusalem. Der Herrscher von Judäa, Herodes Agrippa I., ließ ihn ob seines christlichen Glaubens im Jahre 44 durch das Schwert enthaupten.
Der Legende nach trugen zwei seiner Schüler dann die Gebeine nach Spanien, in die Nähe des späteren Santiago de Compostela, und begruben sie dort. Dies war die Region, wo Jakobus einst das Christentum verkündete.
Im Jahre 813 wurde das Grab auf wundersame Weise wieder entdeckt und wurde alsbald zum Ziel unzähliger Wallfahrer.
Einer dieser Pilgerwege soll an der Stadt Chemnitz vorbei gelaufen sein. Auch dort ist die Hauptkirche dem Jakobus geweiht.
In der evangelischen wie auch in der katholischen Kirche wird jährlich der 25. Juli als der sogenannte Jakobstag (St. Jakob) gefeiert.

 

Hintergrundwissen Apostel:
Ein Apostel ist im Verständnis der christlichen Tradition jemand, der von Jesus Christus direkt als "Gesandter" beauftragt worden ist.

Doch nun zur Kirche selbst:

Im Jahre 1828 wurde die baufällige, mittelalterliche Kirche abgetragen. Es lässt sich heute nicht mehr feststellen, ob vor dieser bereits eine noch ältere Kirche (Sakralbau aus Holz?) in Einsiedel gestanden hat. Aus diesem Grunde ist die Zählfolge unklar. Fakt dagegen ist, dass diese mittelalterliche Kirche mit dem Turm zur Dorfmitte (Am Plan) ausgerichtet war, der Altar also Richtung Osten wies. Am südlichen Pfeiler der Öffnung zwischen Schiff und Altarraum war die Kanzel angebracht. Das Gestühl für die Frauen befand sich ebenerdig im Schiff, die Männer saßen auf zwei Emporen auf der Nordseite des Kirchenschiffes.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass diese bestehende Kirche weder der stetig wachsenden Gemeinde noch der Sicherheit im Bezug auf dem Bauzustand genügte. So wurde ab 1817 geplant, eine neue Kirche zu errichten.

Aber gehen wir von 1817 einmal reichlich drei Jahrhunderte zurück und lassen in einer Art Zeittafel die Einsiedler Kirchengeschichte an uns vorüber ziehen:

1510 Beschaffung und Weihe des Flügelaltares. Das Foto zeigt nur den Mittelschrein mit beiden Flügeln. Die darüber liegende Bekrönung fehlt. Ebenso die darunter angebrachte Predella. Diese ist aber noch heute vorhanden und wird im Schloßbergmuseum zu Chemnitz aufbewahrt.
Die drei Schnitzfiguren des Schreins in der Mitte stammen von einem namentlich unbekannten “Meister des Flöhaer Hochaltares” aus dem Raume Freiberg. Zu den Figuren: links die heilige Magdalena, in der Mitte Maria mit dem Kinde und rechts der heilige Laurentius. Die Figuren waren bemalt und vergoldet.
Die Gemälde der Flügel stammen wahrscheinlich von Hans von Cöln (einem Chemnitzer) und wurden zwischen 1510 und 1520 geschaffen. Hans von Cöln malte auch den Ehrenfriedersdorfer Altar.
Links der heilige Wolfgang, rechts der heilige Rochus von Montpellier. Dieser war mit einer Pestbeule am linken Schenkel dargestellt, er war Schutzheiliger der Pestkranken.
Der Altar ging am 5. März 1945 im Bombenhagel unter.

 

1513 wird die große Bronzeglocke der alten Einsiedler Kirche gegossen. Sie ist “Maria - der Gnadenvollen” gewidmet und trägt folgende lateinische Inschrift: “O rex gloriae veni cum pace, ave maria, gratia plena, Deus tecum. Anno Domini M.D.XIII.” Das (geschätzte) Gewicht der Glocke betrug ca. 15 Zentner.

1539 stirb Georg von Sachsen (“der Bärtige”) und mit ihm der letzte sächsische, katholische Herzog. Der Weg war frei, um nun auch im albertinischen Teil Sachsens die Reformation einzuführen. Für Einsiedel geschah das im gleichen Jahre.

1540 Jakob Dorffer, letzter katholischer Pfarrer in Einsiedel, wird abgesetzt. Als Begründung ist aufgeführt “...seines Alters und seiner Ungeschicklichkeit halber entsetzt.” Unter der Bedingung, nicht wieder zum katholischen Glauben zurück zu kehren, erhält er eine jährliche Abfindung.

1547 wird Johann Marschner erster evangelischer Pfarrer in Einsiedel.

1562 wird Clemens Lessig (auch Lessigk) Einsiedler Pfarrer. Er ist der älteste, nachweisbare Vorfahre des Dichters Gotthold Ephraim Lessing. Einen recht detaillierten Lebensbericht über ihn finden Sie hier.

1595 Christoph Böttiger wird Pfarrer.

1628 Johann Löffler ist für ca. ein Jahr hiesiger Pfarrer.

1629 wird Johann Döber Pfarrer in Einsiedel.

1640 wird Theophilus Böttiger Pfarrer in Einsiedel.

1673 wird das Nachbardorf Dittersdorf an die Kirchfahrt Weißbach angegliedert. Seit “ewigen Zeiten” war ein Teil Ditterdorfs nach Einsiedel eingepfarrt, wobei der dortige Dorfbach die Grenze zwischen beiden Kirchengebieten bildete. Der Einsiedler Pfarrer erhielt dadurch einen Verdienstausfall.

1680 wird Johann Schmeer Pfarrer in Einsiedel.

1683 stiftet Heinrich Hildebrand von Einsiedel 200 Taler, um den seit 1673 bestehenden Verdienstausfall zu kompensieren. Seine Nachfolger verdoppelten diesen Betrag, so dass bis nach 1900 die Zinsen aus dieser Stiftung an den Einsiedler Pfarrer gezahlt wurden.

1688 wird Johann Michael Reinhold Pfarrer in Einsiedel.

1719 wird Christoph Gottlob Reinhold Einsiedler Pfarrer. Er ist der Sohn des vorstehenden Pfarrers.

1740 Zwei neue Bronzeglocken werden gegossen, die von Curt Heinrich von Einsiedel gestiftet wurden.
Die kleine Glocke trug die Inschrift: “Anno 1740 goß mich Johann Gottfried Weinhold in Dresden. Soror gaudet pari fato et voto Pastoris curatorumque hujus sacrarii.”
Die zweite Glocke (...die mittelgroße der nunmehr drei Glocken) hatte folgende Inschrift: “Anno 1740 goß mich Johann Gottfried Weinhold in Dresden. Generosissimi domini donum: Curt et Henric. ab Einsiedel, Marechalci aulae augustissimi August III. regis Poloniae et Electoris Saxoniae anno Domini festiva faustaque auspicia curaverunt.”

1746 wird Johann Gottlieb Weißbach wird neuer Pfarrer.

1773 Johann Friedrich Fritsche ist Einsiedler Pfarrer.

1799 wird Johann Friedrich Benjamin Fritsche Pfarrer in Einsiedel. Auch er ist ein Sohn des vorstehenden Pfarrers und in seiner Dienstzeit wird nun ein großes Projekt voran gebracht: Der Neubau der Kirche.

1820 Der Altenhainer Zimmermeister Christian Friedrich Uhlig spricht sich in einem Gutachten für einen völligen Neubau der Kirche aus. Zusammen mit dem Dittersdorfer Maurermeister Carl Friedrich Lohs reicht er einen Riss und Kostenvoranschlag für den Neubau ein. Die Kirchgemeinde möchte jedoch aus Sparsamkeitsgründen den alten Turm erhalten und lässt sich noch andere Bauvorschläge unterbreiten. Schließlich entscheidet man sich doch für den revidierten Plan Uhligs. (Uhlig wird später noch weitere Kirchen in anderen Orten entwerfen und bauen, ebenso auch die Einsiedler Kirchschule, heute Kantorat.)
Man beschloss, die neue Kirche am Standort des 1740 abgebrannten Pfarrgutes zu errichten. Die ausgezeichnete landschaftliche Lage des Bauplatzes war wohl ausschlaggebend dafür.

1822 Am 14. Oktober erfolgt die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau durch Gräfin Henriette von Düben. Der Bauplatz bereitet allerdings bei der Gründung große Schwierigkeiten.
Die mittlere der fünf Fensterachsen beiderseitig des Schiffes wird herausgezogen, zwei toskanische Säulen links- und rechts davon stützen einen Dreiecksgiebel, der diesen Vorsprung nach oben abschließt. Ursprünglich war dies im Bauplan nicht vorgesehen, statische Gründe bringt Uhlig der Gemeinde gegenüber dafür an. In Wirklichkeit waren es aber ästhetische Gründe, die dem Bau eine klassische Würde verleihen sollen (...bis heute, übrigens).

1824 (am 18. Juli) wurde der Turmbau mit der Aufbringung von Kreuz und Kugel abgeschlossen.

1825 Einbau von Fenstern und Orgel. Die Orgel wurde von den Gebrüdern Jehmlich in Neuwernsdorf gefertigt. Sie hatte zwei Manuale und 21 Register und kostete 2000 Taler. Die Orgel war im Stile der Silbermann-Orgeln gebaut, ihr Klang war deren ebenbürtig, wenn auch ihr Äußeres nicht an diese heranreichte, da auf prunkvolle Schnitzereien verzichtet wurde.

1827 wurden in der ersten Jahreshälfte die Glocken von der alten zur neuen Kirche umgehangen und schließlich ist am 23. Juli der Bau inclusive Orgel und Innenausstattung fertig gestellt. Die Ausrichtung des Turmes zeigte nunmehr nach Südwesten. Am 9. September 1827 wurde die neue Kirche geweiht. Der nebenstehende Holzstich ist eines der ersten Bilder des Gebäudes.

1828 wird die alte Kirche abgetragen.

1832 wird Karl Gottlob Zimmermann Pfarrer in Einsiedel.

1833 schlug der Blitz in den Kirchturm ein.
Ein eiserner Anker, welcher am Blitzableiter anlag, lenkte den Blitz in die Kirche. Dort brannte er einige Löscher in die Decke und beschädigte die Orgel. Auch traten einige Risse im Mauerwerk durch die Erschütterung auf.

1839 finden in ganz Sachsen die Jubelfeiern zum 300jährigen Jubiläum der Einführung der Reformation statt. In Einsiedel ist es der Spinnereibesitzer Christian Gottlob Eismann, der der Einsiedler Kirche einen großen Kronleuchter aus Glas schenkt, welcher in der Kirche aufgehangen wurde.
Weiterhin wurden aus gleichem Anlass 1839 drei Eichen gepflanzt. Dazu lesen wir in einem Auszug aus der ”Sächsischen Kirchengalerie” von 1841, der Artikel zur Einsiedler Kirche wurde von hiesigen Pfarrer Karl Gottlob Zimmermann im Mai 1841 verfasst:
1841 mußte von den hiesigen Gemeinden ein Stück des Pfarrfeldes, der Obstgarten, 7 Metzen Land enthaltend, durch die Wohllöbl. Kircheninspection in Pacht genommen werden, um es für einen neuen Gottesacker zu bestimmen, weil der zeitherige, von welchem beiläufig bemerkt, nichts besonderes zu erwähnen ist, außer daß derselbe von einem sehr schönen grünen buchnen Zaun umgeben ist, und 1839 bei der 300jährigen Jubelfeier der Einführung der Reformation in Sachsen, mit drei jungen Eichen, gezogen und geschenkt von J.G. Einhorn, von der hiesigen Schuljugend unter Procession, Gesang und Rede bepflanzt worden ist zum Andenken an diese wichtige Feier, von welchen bei der Weihe die Mittlere den Namen “Luthers” die dieser zur rechten Seite nach Süden “Heinrichs” und die der Luthers Eiche zur linken Seite nach Norden “Gustav Adolphs” Eiche erhielt, nicht mehr auslangte.

1840 sehen wir Kirche und die 1829 fertig gestellte Kirchschule (heute Kantorat) auf dem nebenstehenden Holzstich.

1863 heißt der neue Einsiedler Pfarrer Karl Konstantin Bahr.

1874 Restaurierung und Streichen der Innenräume. Die Turmuhr bekam weiße Zifferblätter mit schwarzen, römischen Zahlen.

1888 wird Eugen Theodor Pöschmann Pfarrer in Einsiedel.

1902 Erneut Restaurierung und Streichen der Innenräume.

1910 Ein Sturmwind fegt die Bekrönung des Kirchturmes herab. Der Knauf und die Wetterfahne werden neu montiert. Im gleichen Jahre wird Karl Otto Heeg Einsiedler Pfarrer.

1917 Seit fast drei Jahren befindet sich das Deutsche Reich in einem Krieg, dessen Ausmaße die Welt noch nicht gekannt hat. Die kleine und die mittlere Bronzeglocke von 1740 werden geopfert und der Wirtschaft als sogenannte Materialreserve zugeführt. Den Prospektpfeifen der Orgel ergeht es ebenso.

1921 werden drei neue Bronzeglocken gegossen und in den Kirchturm eingebaut. Die große Glocke von 1513 wird letztmalig geläutet und dann der Glockengießerei in Zahlung gegeben. Foto rechts: die neuen Glocken.

1927 Die 100-Jahr-Feier steht an und die Kirche erhält einen neuen Außenputz.

 

1935 wird durch die Eingemeindung von Berbisdorf die dortige Kirche ein Filial von Einsiedel. Bis dahin gehört sie zu Harthau. Im gleichen Jahre wird Rudolf Busch neuer Einsiedler Pfarrer.
In etwa aus diesem Zeitraum stammen die nachfolgenden Aufnahmen.

 Links: aus nördlicher Richtung,
 vom Eingang es alten
 Friedhofes aus gesehen:
 (Foto Jörg Hermann).

 Rechts: aus westlicher
 Richtung, etwa von Höhe des
 Kriegerdenkmals 1914/18 aus
 gesehen.
 (Foto: Thomas Schwebe).

 

 

 

 

 

 

 

 Links Altar und Kanzel, rechts die
 Orgel, beides Fotos sind wohl
 Anfang der 1930er Jahre
 entstanden.

 Wenige Jahre später, während des
 zweiten Weltkrieges, sollten sich
 die Brüstungen der Emporen mit
 Trauerflor schmücken...für jeden
 gefallenen Einsiedler wurde daran
 eine kleine Kranzschleife befestigt.

 

 

 

 

 

 

1942 Im Januar müssen die beiden großen Glocken erneut für den Krieg geopfert werden, auch sie werden der Wirtschaft zugeführt. Aber das ist noch längst nicht alles, was als Materialreserve listenmäßig erfasst war: die Beleuchtungskörper, Teile der Abendmahlsgeräte, die eisernen Friedhofstore und Grabeinzäunungen und sogar die Blechabdeckungen der Laternen am Kirchturm mussten abgegeben werden.

1945 Durch den Bombenterror wird die Kirche am 14. Februar leicht (geringe Dach- und Fensterschäden) und am 5. März 1945 vollständig zerstört. (Wie es der Zufall will...heute, wo ich dies schreibe, ist der 5. März 2006 und dieses einschneidendste Einsiedler Datum jährt sich zum 61. Male.)

Foto rechts:
Die Turmruine aus den Resten des Kirchenschiffs heraus betrachtet.
 

 

 

 

 

 

 

 Ein Fragment der letzten verblieben Glocke. Sie zerbarst
 beim Absturz aus dem wie eine Riesenfackel brennenden
 Turm.


 

 Dieser Glocken-Rest wird bis zum heutigen Tage von der
 Kirchgemeinde Einsiedel aufbewahrt, Pfarrer Dziubek
 ermöglichte mir am 24. Februar 2007 eine Fotografie des
 Fragmentes.

 

 

 

 


 

...noch 1945:
Die Gemeinde Eibenberg überlässt der Kirchgemeinde Einsiedel leihweise eine kleine Glocke. Zur Gestaltung des kirchlichen Gemeindelebens beschloss der Kirchenvorstand, die ebenfalls durch Bomben zerstörte Friedhofskapelle als eine Art Notkirche auszubauen.

1946 Das Leben geht weiter und Herbert Tolkmitt wird neuer Pfarrer.
Die Fotos zeigen uns rechts einen Gottesdienst im ehemals so prachtvollen Kirchenschiff und unten die Ruine vom Plan aus gesehen, die davor stehenden Gebäude wurden nicht wieder errichtet.
(Fotos: unten Irmgard Wildfeuer, rechts Jörg Hermann)

 

 

 

 

 

 

 

 

1948 Die Notkirche wird am 19. September geweiht. Rudolf Busch, Einsiedler Pfarrer bis 1946 und mittlerweile Superintendent in Bautzen, weiht die vormalige Friedhofskapelle.

1949 Anfang des Jahres wurde in Einsiedel ein “Arbeitskreis zur Beschaffung neuer Glocken” gegründet, welcher unter immensen Schwierigkeiten das schier Unmögliche schaffte: Es kamen genug Gelder (12.473 Mark) und Stahlschrott (1,5 to) zusammen, um ein neues Geläut (Eisenhartguss statt Bronze) zu finanzieren und den Turm wenigstens soweit auszubauen, das dieses installiert werden konnte. Die Installation geschah dann im Dezember 1949 und am 4. Advent des gleichen Jahres konnte schließlich die Glockenweihe gefeiert werden.
Das Foto rechts zeigt uns den “Glockentransport” auf der Hauptstraße im Unterdorf am 27.(?) November 1949.
Auf dem Wagen befinden sich die drei im September 1949 in Morgenröthe-Rautenkranz für die Einsiedler Kirchgemeinde gegossenen Glocken.
Die Eckdaten des Geläuts:
Große Glocke (Sterbeglocke), 1,9 to, Ton “e”
Mittlere Glocke (Gebetsglocke) 1,2 to, Ton “gis”
Kleine Glocke (Taufglocke), 780 kg, Ton “h”.

Ebenfalls 1949 erhält der Turm eine flache Notbedachung, um die neuen Glocken zu schützen.
(Foto rechts: Thomas Schwebe)

1953 Die Enttrümmerung des Kirchenschiffes wird abgeschlossen, der Wiederaufbau beginnt im gleichem Jahr mit der Sicherung der Mauerruine. Stellvertretend für die gesamte Gemeinde erhält Pfarrer Tolkmitt aus den Händen von Baumeister Horst Seifert dafür eine staatliche Wiederaufbauhilfe in Höhe von 12.300 Mark. Horst Seifert hatte sich dafür an Otto Nuschke, den damaligen Vorsitzenten der CDU in der DDR gewandt.

1954 Der “Jakobi-Bote” erscheint, ein kleiner Informationszettel für die Kirchgemeinde. Die zerstörten Fensterbögen werden neu eingewölbt.

1958 wurde auf dem befestigten Mauerkranz ein Stahldachstuhl errichtet und Friedrich Magirus wird neuer Pfarrer.

1959 wird das Dach neu eingedeckt (22 Tonnen Schiefer) und das Kirchenschiff mit neuen Fenstern versehen. Am 31. Oktober wird Richtfest gefeiert.

1960 Die Wiedererrichtung des Turmes beginnt mit dem Abriss von zwei alte Pfarrscheunen, um Schalholz für den Turmbau zu gewinnen. Das Notdach am Turm wird entfernt.
(Foto rechts: Jörg Hermann)

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

1961 Am 9. Mai wird Richtfest gefeiert. In ihrer Gestalt orientierte sich die neue Turmausbildung am zerstörten Vorgänger, sie hat nunmehr aber eine wesentlich vereinfachtere Form.

1962 Beginn der Arbeiten für die neue Empore im Kirchenschiff. Es wird zukünftig nur noch eine Empore geben, vor der Zerstörung waren es zwei.

1963 werden die Glocken in den neuen Glockenstuhl der fertiggestellten Turmhaube umgehangen, die Weihe des Glockenstuhles ist am 14. September, einen Tag später feiert man das Kirchweihfest.
Der Heizungskeller wird erweitert, die Decke in Trockenbauweise wird errichtet und eine Stahlbetondecke für die Empore wird eingebaut.

1965 Die Altarwand, welche den Turm vom Schiff abgrenzt, wird gemauert und verputz. Der Kunstmaler Werner Juza beginnt mit dem oberen Teil des später einmal raumhohen Altarbildes. Zur Trafostadion unten “Am Plan” wird ein Kanal für ein Elektrokabel gegraben, das Kabel verlegt und somit ein Elektroanschluss hergestellt.
Zur Kirchweihe am 15. September feiert man das Gustav-Adolf-Fest.

1966 Die tausend großen und kleinen Arbeiten in, an und außerhalb der Kirche werden weitestgehend fertig gestellt, ebenso der Einbau der Turmuhr.

Rechts ein offiziell von der Kirchgemeinde herausgegebenes Foto.

Werner Juza vollendet das Altarbild.
Dieses Bild ist auf einer weiteren Seite detailliert beschrieben.
Baumeister des Wiederaufbaus der Einsiedler Kirche war der Karl-Marx-Städter Architekt Dr. Georg Laudeley.
Am 18. September - dem traditionellen Kirchweihtag - ist es dann soweit. Landesbischof Gottfried Noth weiht die Jacobikirche zu Einsiedel. Die Kirche selbst konnte die vielen Besucher nicht annähernd fassen. Die Feier wurde über Lautsprecher in die Friedhofskirche und nach außen übertragen.
In der anschließenden Festwoche war der Höhepunkt das Chorkonzert des Dresdner Kreuzchores.

 Des weiteren schafft
 Werner Juza ein Kreuz
 mit einem
 verstümmelten Korpus,
 welcher sich heute an
 der rechten Seite des
 Kirchenraumes
 befindet.
 Dieser Korpus ist eines
 der wenigen Stücke,
 die aus den Trümmern
 der Kirchenruine 1945
 gerettet werden
 konnten.
 Die ehemals versilberte
 Darstellung Christis war
 seit 1827 am
 Altarkreuz angebracht.

 

 

 

Die nunmehr von Juza geschaffene Trägerplatte trägt die Worte “Gott hat seinen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben.

1969 wird ein elektrisches Läutewerk eingebaut.

1974 wird Martin Schirrmeister Pfarrer in Einsiedel.

1977 Am 12. September beginnen die Arbeiten in der Kirche für den Einbau einer neuen Orgel, die am 27. November (1. Advent) geweiht werden kann. Der Hersteller, der “VEB Orgelbau Bautzen” (ehemals Eule) leistete gute bauliche und klangliche Arbeit. Verstärkt durch die gute Akustik des Kirchenraumes wird das eigentlich recht schmale, dafür aber hohe Instrument mit 19 klingenden Registern (1248 Pfeifen) in zwei Manualen und Pedal allen Anforderungen gerecht.
Sie ist unterteilt in Hauptwerk, Brustwerk und Pedal.
Das große Finanzierungsvorhaben Orgel begann mit bescheidenen Sammlungen in Jahre 1968, jedoch erst 1974 fiel die Entscheidung zum Bau des Instrumentes. In neun Jahren wurde schließlich die veranschlagte Summe von
80.000 Mark durch Spenden und Sammlungen von Mitgliedern der Kirchgemeinde aufgebracht. Einige ehemalige Einsiedler, die zum Zeitpunkt in der damaligen Bundesrepublik wohnten, spendeten einen Anteil in “harter Währung”, mussten doch zwei Register und der Winderzeuger aus der BRD eingeführt werden.
Hilfe kam aber auch vom Landeskirchenamt; auf 2 Mark, die durch die Ortsgemeinde gesammelt wurden, legte es 1 Mark obendrauf. Die Zusammenstellung der Register folgte einem Entwurf des Orgelsachverständigen und Domorganisten Günter Metz aus Zwickau, das Gehäuse projektierte Dr. Georg Laudeley.
(Foto vom 24. Februar 2007)

2000 Johannes Dziubek wird neuer Einsiedler Pfarrer.

2005 Einbau einer Kirchenheizung (84.000 Euro) und Erneuerung von Teilen der elektrischen Anlage. Beginn einer Renovierung im Kircheninneren, die 2006 ihren Abschluss fand und reichlich 3.000 Euro kostete.

2007 Aus Anlass des 30jährigen Orgeljubiläums initiiert man den “Einsiedler Orgelsommer 2007” mit diversen Orgelkonzerten und -bedienern.

2008 Im April wird der stählerne Glockenstuhl, der seit 1963 das Dreiergeläut trägt, sandgestrahlt und vor Rost geschützt. Im gleichen Zuge wird die 1969 in Betrieb genommene elektrische Läuteanlage in Stand gesetzt. Die Kosten von etwa 10.000 Euro wurden allein von der Kirchgemeinde aufgebracht.

 


Zum Abschluss noch einige Fotovergleiche “Gestern & Heute”, wie es der Inhalt dieses gesamten Projektes ist...:

 Die beiden Aufnahmen
 verdeutlichen nochmals den
 Unterschied in der
 Turmgestaltung.
 Links um 1936, rechts im
 Jahre 1980.
 Auch die links noch
 erkennbaren Dachfenster
 auf dem Kirchenschiff
 wurden beim Wiederaufbau
 weg gelassen.

 

 

 

 

 

 


 

 Links Fotopostkarte von 1911.
 Rechts am 5. März 2006, auf den Tag
 genau 61 Jahre nach ihrer
 Zerstörung.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 Links undatiert, wohl um 1920.
 Rechts am 1. September 2004.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Die Kirche zu Einsiedel