Die Einsiedler Kirmes...

...vor den Bildern noch ein ganz kurzer geschichtlichen Bezug.
Eigentlich muss es heißen „Kirchweihe“. Das Kirchweihfest war früher wie heute ein kirchlicher Feiertag zur Erinnerung an die Weihe der örtlichen Kirche. Gerade hier in unserer evangelisch geprägten Gegend versteht sich darunter die Übergabe des Gebäudes an seine gottesdienstliche Funktionen. Und wenn wir jetzt gedanklich zurückgehen ins Einsiedel des Jahres 1827, dann sehen wir, dass die Kirchweihe am 9. September stattfand. Genauere Details zur Einsiedler Kirche finden sie ebenda.
Seit Jahrzehnten findet das Kirchweihfest in Einsiedel nun stets am dritten Septemberwochenende statt, auch wenn es den ursprünglich Bezug für die meisten Besucher längst verloren hat. Ein Großteil unter uns kennt nur noch die „weltlichen“ Feierlichkeiten. Heute heißt das Kirchweihfest in unserer Gegend „Kirmes“ und ist ein Volksfest mit allerlei Belustigungen wie Karussells und anderen Vergnügungen. Aber sehen Sie nun selbst...

Kirmes in Einsiedel   Kirmes in Berbisdorf

Die Einsiedler Kirmes fand im Laufe der Jahre an unterschiedlich Orten statt. Die Umlegungen des Festplatzes wurden durch Einsiedler Bauvorhaben bestimmt, denen die Kirmes zeitweise oder dauernd weichen mußte.

Der mit Abstand am längsten genutzte Platz war “Am Plan”, hier eine Aufnahme aus den 1920er Jahren. Wie unschwer zu erkennen ist, “war richtig was los”. Man stand also derartigen Volksfesten sehr aufgeschlossen gegenüber, war es doch eine der wenigen Zerstreuungen vom Alltag, die bezahlbar waren.
(Foto: Thomas Schwebe

Nachdem in den 1930er Jahren auf der Nordseite des “Plan” ein dreistufiges Plateau geschaffen wurde, um die zu dieser Zeit üblichen lokalen Aufmärsche besser repräsentieren zu können, wurde bis zum Beginn des 2. Weltkriegs die Kirmes auf die Idawiese (heute: Walter-Wieland-Hain) verlegt.

Zu DDR-Zeiten nutzte man teilweise am “Plan” die Plätze beidseitig der Straße, da der oben abgebildete “Gasthof Einsiedel” nach der Zerstörung am 5. März 1945 nicht wieder errichtet wurde und somit eine Freifläche verblieb.
Mit den 1980er Jahren wurde das Niveau der Kirmes, vor allem was die Vielfalt der Fahrgeschäfte und Buden anging, immer spärlicher. Es war, als kündete die Kirmes auch vom Niedergang eines Systems. Ab 1990 wurde das natürlich wieder anders, die von den großen Volksfesten der alten Bundesrepublik als “zu alt - zu unmodern” ausgemusterten Attraktionen waren für die damaligen Verhältnisse hier “neu” und prägten nun das Bild der Kirmes entsprechend.
Mit dem Wiedereinzug des Kapitalismus in Einsiedel setzte auch eine kommunale Bautätigkeit ein, das Schlagwort für die neuen Länder lautet: “Kanalbau”. Und so wechselte der Festplatz nun nach Jahrzehnten wieder einmal seine Lage.

Also wenigstens für drei Jahre verlegte die ganze Gesellschaft auf den Wexplatz. Das war 1993 und eben noch mindestens zwei Jahre später auch.
Links eine Aufnahme aus dem Jahre 1994, im Hintergrund das Gebäude Fabrikweg 12.

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre verlegte die Kirmes wieder in die Ortsmitte, allerdings nicht mehr auf den “Plan”, denn der war mittlerweile bebaut. Alle Fahrgeschäfte und Buden fanden auf der Freifläche des ehemaligen “Gasthof Einsiedel” ihren Platz.
Bis letztmalig 1999, aus diesem Jahr stammen auch die drei Bilder.
Kurz nach Abzug der Schausteller begannen an dieser Stelle die Bauarbeiten für das neue Gebäude der Einsiedler “Freiwilligen Feuerwehr”.

Als neuer Standort für die Einsiedler Kirmes fand sich nunmehr die Freifläche des Ende 1996 abgerissenen “Kultursaales 20. Jahrestag der DDR” respektive Gasthaus “Drei Eichen”.
Der Einsiedler Gewerbeverein als Initiator fand im “Einsiedler Brauhaus” und dem Einsiedler Ortschaftsrat wieder eine bewährte Partnerschaft, um die Kirmes 2005 in seiner Attraktivität zu steigern. Neben den bekannten Fahrgeschäften, Buden und Kirmestanz sollte in diesem Jahr ein buntes Markttreiben mit Bühnenprogramm die Einsiedler Kirmes für alle Altersgruppen zum Erlebnis werden lassen.

Doch sehen Sie nun selbst die Bilder vom vielfältigen Treiben der

Einsiedler Kirmes 2005:

Eröffnet wurde das Markttreiben im Festgarten an beiden Tagen durch ein von “Einsiedler Brauhaus” spendiertes Fass Freibier...

...welches durch den Ortschaftsratvorsitzenden Peter Hollstein und den “Alten Einsiedler” angestochen wurde,
links 17.9., rechts 18.9.

Alsdann wurden wir durch Frank Reuter nebst Gattin mit seinem ”Leierkasten” auf die Jahrmärkte vor 100 Jahren zurückversetzt.
Wer sich das Drehorgelspiel auch mal anhören will, clicke auf das Bild.
(Musik und Gesang mit freundlicher Genehmigung von Frank Reuter)

Dann ging es in unserer Zeitreise noch viel weiter zurück. Das “Cow-Show-Team” um Susann Winkler zeigte uns mit seinen Ritterspielen, wie man vor 700 oder 800 Jahren sich in bessere Kreise “einheiratet”. Die Geschichte verdient es, doch ein bissel ausführlicher erzählt zu werden...:

Die Königin, welche hier der Hofmaler in frohen Farben nebst ihrer Zofe gezeichnet hat, war der Meinung, es wird Zeit, auch einmal Schwiegermutter zu werden...

...und lobte das gnädige Fräulein Tochter für eine -wenigstens halbwegs- standesgemäße Eheschließung aus.

Aus dem ganzen Sachsenreiche kamen nun die Ritter nebst Vasallen, um im mehr oder weniger ruhmreichen Kampfe die Gunst der Prinzessin oder besser gesagt der Königin zu erringen.

Sofort setzt am königlichen Hofe eine rege Bautätigkeit ein, denn das Schlachtfeld mußte freilich den Verordnungen der damaligen ritterlichen Berufsgenossenschaft genügen.

Sodann trieb man den Keiler herein, den es in der ersten Disziplin zu erlegen galt...

...und der durch gezielte Schwertwürfe auch einige Male das Leben ließ. Darum sagt man noch heute:
“Das arme Schwein!”

Angeblich nach massiven Drängen von Tierschützern ließ man die Keilerhatz sein und widmete sich nun einem Geschicklichkeitswettstreit, um die Damenwelt zu erfreuen.
(In Wirklichkeit war weit und breit keine Sau mehr aufzutreiben!)

Das war den Rittern dann doch zu unblutig und man versucht nunmehr, sich gegenseitig vom Pferde zu stoßen.

Derartiges Kampfgeschehen erfreute den umstehenden Mob und dieser schrie nach “Mehr”. Und so tauschten die Ritter ihre Lanzen gegen Schwerter, weil es sich damit wahrlich trefflicher draufhauen ließ.

Getroffen oder vor Erschöpfung -keiner weiß es heute mehr genau- verließ Ritter Rot sein Pferd auf unelegante Weise um den Kampf zu Fuß fortzusetzen. Selbstredend nutzte auch Ritter Gelb die Gelegenheit, der Königin zu beweisen, dass er ebenfalls des Schwertkampfes ohne Pferd mächtig ist.

Und die Moral von der Geschichte:

Wenn Ihnen, liebe Besucher, in Einsiedel im Walde der Ritter und die Prinzessin entgegen kommen, gar noch zu Pferde...dann ist das völlig normal!

Und so wart nach einer Weile halbwegs fairen Kampfes der Ritter Gelb als Sieger ausgemacht. Hier auf dem Foto links schwankt er gerade zwischen Blutrausch und Großmut. Unentschlossen fuchtelt er mit der Linken, um die Königin zu einer Entscheidung zu bewegen. Und während diese ihre Daumen suchte und der Mob vor lauter Aufregung das ganze Colosseum kurz und klein zu hauen drohte, nutzte Ritter rot seine letzte Chance...

Zurück in unsere Zeit, denn das bunte Programm fand mit den “Happy Legs” und ihrer Dance-Show eine Fortsetzung...

Jaaa, das füllt Säle...

Den Abschluss im Bühnenprogramm des Kirmessamstages bildete die Rockband “Plasmic Ocean”.

Der bunte Sonntag Nachmittag wurde durch die Jagdhornbläsergruppe Zschopau eröffnet.

Alsdann sorgte das Duo “Felsenfest” (wie unschwer zu erkennen aus Bayern) den ganzen Nachmittag mit Musik und Gaudi für beste Laune.
Das “Kaiserwetter” tat sein übriges, und so war der Besucherandrang wesentlich höher wie am wettermäßig durchwachsenem Samstag.

Wie oben bereits erwähnt, fand neben dem Bühnenprogramm ein buntes Markttreiben statt. Einiges davon soll nun  publiziert werden:

Der Rassekaninchenzüchterverein Einsiedel stellte seine Tiere aus und zeigte Handarbeiten aus Kaninchenfellen.

Kreatives Gestalten - der Kinder- und Jugendtreff  Club Einsiedel “E”.

Hier wohnen die Bienen...naja, die meisten jedenfalls.

Der Imkerverein Chemnitz-Einsiedel e.V. wurde präsentiert von Peter Weber.

Im Laufe des Sonntagnachmittag gelang es beherzten Festbesuchern, die Einsiedler Frauen vor Bernd Obermaier zu schützen.

Steht’s dabei, das “LFE”, das Lokalfernsehen Einsiedel.

Die SV Victoria 03 Einsiedel setzte für den Sonntag zwei Spiele an, die sich vom Festgarten aus verfolgen ließen.

Einsiedel II gegen SG Adelsberg II   0:1

Einsiedel I gegen SV Germania Chemnitz II  0:0

Auf dem Festplatz gab´s Torwandschießen für die Kleinen.
Ausgelobte Preise wurden Sonntag Abend verliehen.

Einige Bilder von den Fahrgeschäften und Buden auf dem Festplatz gegenüber der Brauerei.

Und letztendlich gehen wir noch einmal zum Markttreiben zurück, da ich als Seitenbetreuer dieses Projektes mich für das wirklich große Interesse und die interessanten Gespräche an meiner kleinen Ausstellung “Einsiedel Gestern & Heute” bedanken will...

Egal ob Regen oder Sonne, Besucher waren die meiste Zeit da. Herzlichen Dank, auch den Organisatoren dieser gesamten Veranstaltung!

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Die Berbisdorfer Kirmes

Bevor wir uns der Kirmes des Jahres 2005 widmen, gehen wir auch hier noch mal einen Schritt in die Vergangenheit. Die Gründe für das Abhalten einer Kirmes sind in Berbisdorf freilich die gleichen wie in Einsiedel und oben beschrieben.

Das Foto rechts zeigt uns einen Umzug, der (wahrscheinlich) anläßlich der 25jährigen Kirchweihe im Jahre 1930 stattgefunden hat.
(Foto und Information: Jürgen Fritzsche)
Damals war Berbisdorf noch eine eigenständige Gemeinde.

Somit jährte sich 2005 die Weihe der Berbisdorfer Kirche zum 100sten Male. Dies nahmen die Kirchgemeinde Berbisdorf und der erst am 22. März 2005 gegründete Heimatverein Berbisdorf e.V. zum Anlass, eine Kirmesveranstaltung durchzuführen, wie sie seit vielen, vielen Jahren erstmals wieder in Berbisdorf stattfand.

Der Zweckmäßigkeit halber habe ich die Fotos der diversen Veranstaltungen nicht nur auf dieser Seite eingeordnet. Der “kirchliche” Teil, also was unmittelbar mit der Kirche zu Berbisdorf im Zusammenhang steht, finden Sie ebenda. (Dort sind auch alle relevanten Daten zum Kirchengebäude selber zu finden.)

Der “weltliche” Teil, vom Heimatverein Berbisdorf e.V. organisiert, ist nachfolgend dargestellt. Um es gleich vorweg zu nehmen - für einen solch jungen Verein eine respektables Leistung, was da auf die Beine gestellt wurde!

Der Wanderer, kam er dann aus Einsiedel, Harthau oder Erfenschlag “über die Pappel” gelaufen, sah Kirche und Festplatz schon von Weitem. Doch erst bei näherem Anschauen wurde ihm die Vielfalt der Aktionen bewußt.

Die Festwoche zum 100sten Jubiläum ging vom 23. Juli bis 31. Juli 2005. Am Wochenende 30./31. Juli lud dann der Verein “Berbisdorf e.V.” zur Dorfkirmes im und ums Festzelt neben der Kirche. Das Foto rechts zeigt uns das Vereinswappen.

“Schwer reich” konnte man beim “Kuhfladenlotto” werden, was vom “Cow-Show-Team” um Susann Winkler veranstaltet wurde. Galt es doch, vorher zu wetten, in welches Planquadrat die Kuh “Nina” ihren Fladen setzt. Auf dem linken Foto wurde für alle landwirtschaftlich Unbegabten so ein Fladen einmal visuell dargestellt, damit es hinterher keine Streitereien gibt.
(Foto unten: Bernd Obermaier)

Es wurde aber auch die schwere Arbeit in der Landwirtschaft, wie sie vor wenigen Jahrzehnten in Berbisdorf noch gang und gäbe, vom gleichen Team dargestellt.
(Foto: Bernd Obermaier)

Aber natürlich gab es auch für die Kleinsten allerhand Kurzweil, wie die nachfolgenden Bilder zeigen...

Und selbstredend war auch für das leiblichen Wohl bestens gesorgt...

...und die diversen Veranstaltungen im Festzelt waren gut besucht.
(Foto: Bernd Obermaier)

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