Die Ansicht 13 Jahre später (rechts) inspirierte einen Autor vom “Chemnitzer Tageblattes” im Oktober 1936. In einer Beilage über Einsiedel ist Folgendes erwähnt:
“Auf der Höhe des Bergfriedhofes aber, auf dem in der geliebten Heimaterde auch der von Rotmord in Chemnitz hingemeuchelte Kurt Günther unvergessen in seinem frühen Ehrengrabe schlummert, steht auch, von Laubbäumen umrahmt, das in seiner phrasenlosen Schlichtheit so urdeutsch anmutende Ehrenmal für die Helden von 1914-1918. Es grüßt weit hinaus ins erzgebirgische Land, es weist hinaus in die Täler und über die Höhen der Heimat, Ehrenmal und Mahnmal zugleich in seiner stummen, steinernen Sprache.”
(Zum Mord an Kurt Günther siehe Artikel “Am Plan”.)
Im Gegensatz zum Einsiedler Kriegerdenkmal 1870/71 “Am Plan”, wurde das Denkmal 1914/18 nach dem 2. Weltkrieg kein Opfer der neuen (sozialistischen) Ordnung.
Man kann natürlich nun hin und her philosophieren, warum das eine Denkmal abgerissen wurde, da andere aber bestehen blieb. Ich glaube aber, es gib einige Gründe, welches alle zusammen das Für und Wider entschieden:
*1870/71 stand auf kommunalen Boden, 1914/18 auf dem Grundeigentum der Kirche.
*Der Krieg 1870/71 lag zu weit zurück und forderte nur einen Toten in Einsiedel, im Gegensatz zu den 170 Gefallenen des 1. Weltkrieges, wo eine emotionale Bindung auf alle Fälle noch gegeben war.
*Und schließlich war das Denkmal auf dem Plan weitaus aufwendiger und filigraner gestaltet, eine gewisse Kriegsverherrlichung kann sich da ein mancher sicher hineingedacht haben. Alleine schon vor dem Hintergrund, das 1946 der Ort in Schutt und Asche lag und das Wort “Krieg” eine bis dahin ungeahnte Bedeutung bekommen hatte, sollte man die damalige Entscheidung für dem Abriss des Denkmals 1870/71 akzeptieren, so bedauerlich dies aus heutiger Sicht auch wirkt und vor allem wenn man sieht, was an gleicher Stelle heute ist...


1922. Das Denkmal ist fertiggestellt.
(Foto: Kirchgemeinde Einsiedel)
25. September 2004. Einige engagierte Einsiedler Bürger bei der Reinigung des Denkmals und dem Ausschneiden der dahinterstehenden Bäume.


19. September 2004 ...
...und 25. September 2004.


Seit dem 25. September 2004 ist das Denkmal wieder schön anzusehen. Bedauerlicherweise ist kein großer Kontrast zwischen den eingemeißelten Namen und dem Grundkörper vorhanden, so dass die Namen trotz intensiver Reinigung schlecht lesbar bleiben...
Volkstrauertag 2004. Am 14. November wurde durch den
“Verband zur Pflege der Einsiedler Geschichte” eine seit Jahrzehnten unterbrochene Tradition wieder aufgenommen und ein Kranz am Denkmal niedergelegt.


Auch zum Volkstrauertag 2005 (13. November) erfolgte in der Mittagsstunde wieder eine Kranzniederlegung.
Oben: Einige Mitglieder des “Verbandes zur Pflege der Einsiedler Geschichte” auf dem Weg zum Denkmal, rechts das Mahnmal selbst bei wesentlich besseren Wetter als 2004.
Hintergrundwissen Erster Weltkrieg:
Der Erste Weltkrieg dauerte vom 28. Juli 1914 bis zum 11. November 1918. Er brach in einer Zeit aus, die durch internationale Krisen und übersteigerten Nationalismus gekennzeichnet war („Hochimperialismus“). Es kämpften seit Beginn des Krieges die so genannten Mittelmächte (von Mitte Europas, nicht „mittelstark“!) Deutschland und Österreich-Ungarn, seit November 1914 das Osmanische Reich (Türkei) und ab Oktober 1915 auch Bulgarien auf der einen Seite und Serbien, Russland, Frankreich, Großbritannien und Japan auf der anderen Seite. Zu den Gegnern Deutschlands und seiner Verbündeten traten im Laufe des Krieges weitere Staaten: Italien (Mai 1915), Portugal (März 1916), Rumänien (August 1916), die USA, Kuba, Panama (April 1917), Griechenland (Juni 1917), Siam (Juli 1917), Liberia, China (August 1917), Brasilien (Oktober 1917), Guatemala (April 1918), Nicaragua, Costa Rica (Mai 1918), Honduras (Juni 1918) und schließlich auch noch Haiti (Juli 1918). Hierzu muss gesagt werden, dass die seit Juli 1917 genannten Staaten nur mit wenigen Soldaten ins Kriegsgeschehen eingriffen, es ging lediglich darum, sich nach dem Sieg ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.
Unmittelbarer Anlass für den Krieg war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin in Sarajevo am 28. Juni 1914 durch südslawische Nationalisten. Österreich-Ungarn versicherte sich der Unterstützung Deutschlands und stellte ein scharfes Ultimatum an Serbien, das abgelehnt wurde. Die daraufhin erfolgend österreichisch-ungarische Kriegserklärung an Serbien vom 28. Juli 1914 bewog Russland zu offener Parteinahme für Serbien und zur Mobilmachung, was wiederum übereilte diplomatische und militärische Schritte in Deutschland auslöste, das wiederum am 1. August 1914 Russland und Frankreich den Krieg erklärte. Das internationale Bündnissystem verursachte nun rasch eine Kriegserklärung nach der anderen (siehe Aufzählung oben).
Einzelne Details des über vier Jahre dauernden Krieges hier aufzulisten würden den Rahmen dieses Projekts sprengen. Allgemein muss dieser Krieg als erster moderner Krieg in der Menschheitsgeschichte beschrieben werden. Luftschlachten, Unterseeboote, Tarnuniformen, Tanks (Panzer) sowie Massenvernichtungswaffen (Gas) hatte es noch nie zuvor gegeben.
Der Krieg endete nach einem überstürzten deutschen Waffenstillstandsersuchen, dem am 11. November 1918 stattgegeben wurde. Der Waffenstillstand wurde in einem Eisenbahnwagen im Wald von Compiègne (nordfranzösische Kreisstadt) geschlossen, er machte das Deutsche Reich wehrlos. 1919 folgten die endgültigen Friedensschlüsse in Versailles (Frankreich).
Der Erste Weltkrieg forderte rund 10 Mio. Tote, 20 Mio. Menschen waren verwundet worden. Deutschland hatte 1,8 Mio. gefallene und 4,2 Mio. verwundete Soldaten. 600.000 Mann waren in Gefangenschaft geraten. Infolge alliierter Blockaden sind während des Krieges in Deutschland ca. 750.000 Menschen dem Nahrungsmangel zum Opfer gefallen.
Die deutsche Nation war Ende 1918 tiefer gespalten als je zuvor. Der Kaiser dankte ab, die neue Regierung einigte sich bei der Staatsform auf eine parlamentarische Republik. Der Friede von Versailles war eine schwere Belastung, die vom Krieg verursachte materielle Not war lange Zeit nicht zu beheben, und die traditionelle Führungsschicht (Könige und Fürsten) bestritt ihre Verantwortung für Krieg und Niederlage. Dies alles trug zum späteren Scheitern der Weimarer Republik bei.
Der Krieg veränderte das Staatengefüge in Europa grundlegend. Die beiden Vielvölkerstaaten Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich wurden aufgelöst und Russland verlor seine nichtrussischen Westgebiete. Zahlreiche neue Staaten entstanden (z. B. die Tschechoslowakei und Finnland, Polen entstand wieder). Grenzen wurden verändert, doch in den Staaten bestanden weiterhin Probleme mit den jeweiligen nationalen Minderheiten (z.B. die Sudetendeutschen in Böhmen) oder es wurden neue derartige Probleme geschaffen (Deutsche im ehemaligen Westpreußen/Posen, hier verlief jetzt der sogenannte polnische Korridor).
Die über Jahrhunderte fest gefügte Gesellschaftsform der Monarchie verschwand von heute auf morgen aus Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich. Bereits 1917 endete sie mit der bolschewistischen Revolution in Russland.
Alles in allem ist dieser Krieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen. Erst die Kenntnis seiner Zusammenhänge machen das spätere “Dritte Reich” und den Zweiten Weltkrieg begreifbar.

Ein Kriegsbilderbuch, Seite an Seite der Deutsche und der k.u.k. Soldat aus Österreich-Ungarn.
“Lieb Vaterland, magst ruhig sein” ist der Refrain des patriotischen Werkes “Die Wacht am Rhein”, des mit Abstand am meisten gesungen deutschen Liedes während des 1. Weltkrieges. Bereits davor galt es als die heimliche Hymne des Deutschen Reiches.

Was der Großvater noch wußte oder die Geschichte
am Rande...:
Volkstrauertag 1930. Viele Einsiedler und Erfenschlager
Bürger versammelten sich wie die Jahre zuvor am
Denkmal, um der Opfer des Krieges zu gedenken. Diesmal
sollte es etwas ganz besonderes werden. Der älteste Sohn des Einsiedler Bäckermeisters Hertel war Pilot. Er flog mit seinen Doppeldecker den Friedhof an, drehte zwei Schleifen darüber und warf dann einen Kranz ab. Das Erstaunen und die Bewunderung der anwesenden Menschen war groß, verwandelte sich aber schlagartig in Entsetzen, als Hertel die Maschine, welche er tief gehalten hatte, um besser zu “treffen”, nicht mehr hoch bekam. Allen stockte der Atem, insbesondere den Bewohnern des Doppelhauses Heimgartenweg 5/7, denn auf dieses Gebäude steuerte er geradewegs drauf zu. Drei Sekunden vor der Angst gelang es ihn, die Maschine hochzureißen, das Fahrwerk paßte genau zwischen den beiden Schornsteinen durch und die Flügel pfiffen gerade noch so über diese hinweg...
(Daten: Kurt Morgenstern)
Doppelhaus Heimgartenweg 5/7.

Ein “Union Doppeldecker”. Deutschland war es nach dem 1. Weltkrieg verboten, eine Luftwaffe zu unterhalten. Lediglich kleine Sportflugzeuge war erlaubt.
Hintergrundwissen „Volkstrauertag“:
1919 wurde der Volkstrauertag vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ in Gedenken an die gefallenen deutschen Soldaten des 1. Weltkrieges der Regierung vorgeschlagen und von dieser auch kurze Zeit später eingeführt.
Vom „Dritten Reich“ wurde den Volkstrauertag übernommen und 1934 in „Heldengedenktag“ umbenannt. Der Unterschied war der, dass nicht mehr wie bisher Halbmast gehisst, sondern Vollstock gesetzt wurde. Der „Heldengedenktag“ wurde am 16. März begangen, wenn dies ein Wochentag war, so fand der Gedenktag am vorangehenden Sonntag statt.
Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde der Gedenktag erneut vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen und 1952 wieder eingeführt. Der Volkstrauertag wird seitdem jeweils am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent gefeiert wird (nicht zu verwechseln mit dem „Totensonntag“, dieser findet eine Woche später statt).
Heute wird am Volkstrauertag der Toten des 1. und 2. Weltkrieges gedacht. Auch einzelne Einsiedler Bürger wissen noch von diesem Tage und haben „Halbmast“ gehisst.
Es gibt in 100 Ländern der Erde deutsche Kriegsgräber.
Ein Volk, das sich seiner Vergangenheit berauben, seine Erinnerung verzerren und seinen Selbstwert verstümmeln läßt, entwurzelt seine Existenz.
Hellmut Diwald
Das Kriegerdenkmal
“Unseren Helden von 1914-18”
Errichtet für die gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges aus Einsiedel (170 Tote) und Erfenschlag (65 Tote).
Das Foto zeigt den Zustand am 19. September 2004. Zu diesem Zeitpunkt war das Denkmal -ähnlich wie der Gedenkstein “Ewige Mahner” auf dem August-Bebel-Platz- über und über mit Moos bewachsen. Im Gegensatz zu diesem (gemauerter und verputzter Korpus) besteht das Kriegerdenkmal aus einzelnen, übereinander gesetzten Granitsegmenten.
Das Ehrenmal wurde 1922 vom “Königlich Sächsischen Kriegerverein zu Einsiedel” gebaut und zum Erntedankfest des gleichen Jahres geweiht. Dem vorausgegangen war eine Sammlung zur Finanzierung des Vorhabens.
Der “Königlich Sächsische Kriegerverein zu Einsiedel” hatte auch schon das Denkmal 1870/71 auf dem Plan errichtet hatte (mal angucken).
In dem großen Sockelstein sind die Namen aller Einsiedler und Erfenschlager Gefallenen eingemeißelt. Der Bau folgte einer seit 1871 bestehenden Tradition, dass die Gemeinden ihren Gefallenen eine Gedenkstätte widmen. Ich verweise hier gerne auf das Buch mit dem kurzen Titel “Das Zwönitztal im Königreich Sachsen, dessen Umgebung nebst Industrie in Wort und Bild” aus dem Jahre 1905. In so gut wie jedem Ort entlang der Zwönitz gab es solch ein Denkmal, gewidmet den Gefallenen der jeweiligen Gemeinde im Deutsch-französischen Krieg 1870/71 und stets waren diese Denkmale so populär, um im gleichen Buche abgebildet zu werden.

Dieses Foto, etwa vom Röhrensteig aus aufgenommen, zeigt uns das Denkmal in einem Anblick, wie er heute völlig unmöglich ist. Das Foto ist nicht datiert, läßt sich aber gut auf das Jahr 1923 festlegen, da das Denkmal 1922 errichtet wurde und 1924 der Bau der Siedlung begann.

