Die   hieß auch schon:

Von ? bis (etwa) 1945: Erfenschlager Straße
Detaillierte Erläuterungen zur “Erfenschlager Straße” finden sich weiter unten auf dieser Seite.
kurt franke einsiedelSeit (etwa) 1945: Kurt-Franke-Straße
Kurt Franke wurde am 4. Juli 1898 in Einsiedel geboren. Er war das älteste Kind des Gussputzers Anton Franke und dessen Ehefrau Ida, geborene Haberkorn. Bis zum Tode des Vaters 1911 wurden noch drei Schwestern geboren. Ab 1912 erhielt Ida Franke eine geringe Witwenrente.
Kurt Franke lernte den Beruf eines Formers und arbeitete später als Eisengießer in Harthau. 1922 trat er der KPD bei und war bis 1933 auch Gemeinderatsmitglied in Einsiedel. Nach 1933 organisierte er eine Widerstandgruppe, die 1936 durch die “Geheime Staatspolizei (Gestapo)” aufgedeckt wurde. Am 11. und 12. Januar 1937 fand beim 1. Strafsenat des Oberlandesgerichtes zu Dresden ein Hochverratsprozess gegen “Franke und Genossen” statt, wo er zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde (insgesamt wurden 44 Jahre Zuchthaus bzw. Gefängnis verhängt). Nach seiner Entlassung arbeitete er wieder als Former, bis er am 31. Juli 1944 erneut verhaftet wurde.
Er wurde in das KZ Mauthausen (Oberösterreich) überstellt, wo er ums Leben kam. Zu seinem Tode im KZ 1944 gibt es unterschiedliche Aussagen. Schriftliche Quellen berichten, er wurde von der SS erschossen. Andererseits hieß es mehr als einmal, Kurt Franke wäre bereits mit einer Lungenentzündung ins KZ eingeliefert worden, der er dann dort erlag. Die erste Variante scheint aber realistischer.
Sein Sohn Gerhard Franke war nach Ende des Krieges Polizist in Einsiedel und wurde später an die innerdeutsche Grenze versetzt.

Detaillierte Daten von der Straßenumbenennung (Datum u.ä.) fanden sich bisher nicht.
 
Die rechts abgebildete Gedenktafel ist noch heute an seinen ehemaligen Wohnhaus, “Kurt-Franke-Straße 10” angebracht. Die Tafel selbst -nicht das Wohnhaus- wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt.

Die Erfenschlager Straße, wie die Kurt-Franke-Straße am 24. Juni 1939, als diese Postkarte lief, noch hieß (Vorlage Jürgen Fritzsche). Doch bereits zu diesem Zeitpunkt hatte diese ehemalige Hauptverbindungsstraße nach Chemnitz-Erfenschlag nur noch untergeordnete Bedeutung. Wie kam das?

Ideen für eine sogenannte “Entlastungsstraße” gab es bereits seit etwa 1905, 1935 wurden dann detailliertere Vorschläge in den Gemeindebericht eingebracht. Diese neue Straße, wie wir sie heute noch kennen und natürlich auch nutzen, brachte den entscheidenden Vorteil, dass man zweimal das Überqueren der Gleise vermied. Das war bei den damals hohen Zugdurchläufen im Personen- und Güterverkehr durchaus angebracht. Anfang der 1930er Jahre gab es täglich 38 Zug- und 12 Busverbindungen nach Chemnitz. Im Jahre 1937 wurde mit dem Bau der Straße begonnen, ein Jahr später wurde sie dem Verkehr übergeben.
Diese neue Straße begann am “Kaiserhof” und führte durch das Gelände der 1930 in Konkurs gegangenen Papierfabrik.

Das der Fabrik vorgelagerte und für die neue Straßenführung genutzte Gelände ist auf dem Foto links gut zu erkennen. Im Hintergrund die Gebäude der Papierfabrik, vorne die betriebseigene Straße. Als markanter Punkt kann der Teich gelten, da es ihn noch heute gibt, muss er als Bezugspunkt herhalten: Unmittelbar links neben dem Teichrand, da wo sich die kunstvoll angelegten Gartenwege schlingen, befindet sich heute die Straße. Na, erkannt?
Weiterhin machte sich eine Verlegung des Flußbettes der Zwönitz nötig. Oberhalb des heutigen Haltepunkts “Gymnasium” der Erzgebirgsbahn wurde sie in den Mühlgraben der Papierfabrik umgelegt.
 

Noch heute zeigt sich uns die Grenze der Gemarkungen zwischen den beiden Chemnitzer Stadtteilen Einsiedel und Erfenschlag.
Erfenschlag endet an der Erfenschlager Straße 172 und unmittelbar danach beginnt Einsiedel an der Kurt-Franke-Straße 2.


Die “Lange Gerade” in Richtung Erfenschlag. Vorne rechts die Einmündung zur Umgehungsstraße in Einsiedel.
Foto vom 30. August 2005.

Oben ein Blick in die Kurt-Franke-Straße am 30. August 2005.
Die Luftbildaufnahme ist vom 17. August 2005. Links der Geleise die Erfenschlager/Kurt-Franke-Straße, rechts von den Schienen, unter den dichten Bäumen verborgen, die heutige Hauptverbindungsstraße nach Erfenschlag. Die Straße vorne mit der starken Biegung ist “Am Hübel”.
(Luftbild: Uwe Guskowski)

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Die Kosten betrugen 194.000 Reichsmark für die gesamten Bau- und Umverlegungsarbeiten. Die Gemeinde Einsiedel als Bauherr erhielt Zuschüsse von der “Deutschen Reichsbahn” , vom Land (Sachsen) und vom Reich.
(Kerndaten: Ingobert Rost, Stadtarchiv zu Chemnitz, “Chemnitzer Tageblatt” Oktober 1936)

Auswahl Kurt-Franke-Straße:
(Die Texte in Klammern verweisen auf eine vormalige oder noch gültige Bezeichnung für das betreffende Objekt.)

 Der Bau der “Entlastungsstraße”

 Kurt-Franke-Straße 1 (Schrankenwärter-Häuschen)

 


Kurt-Franke-Straße