Dieser Artikel behandelt das Grundstück Seydelstraße 26. Ende der 1970er Jahre wurde hier die staatliche Arztpraxis fertiggestellt. Diese wurde postalisch der Neuen Straße 30 zugeschlagen. Ich musste mich also für eine Einordnung auf einer der beiden Straßen entscheiden und habe mich vom Gebäude, welches als erstes an dieser Stelle stand, leiten lassen...

Das Gebäude Seydelstraße 26 auf einer Fotographie aus dem Jahre 1944. Es sollte der letzte Sommer für das stattliche Haus sein. Zu diesem Bild ist zu bemerken dass der Gebäudeteil am linken Bildrand (also die linke große Dachgaube) schon ein anderes Haus ist, welches an der Neuen Straße 30 liegt. (Zum Aufnahmezeitpunkt freilich “Hans-Schemm-Straße”.)
Da die Seydelstraße um einige Jahre eher als die Neue Straße entstand, ist zu vermuten, dass das Eckhaus früher gebaut und der linke Gebäudeteil später angesetzt wurde.
Einiges Wissenswerte zum Gebäude habe ich in Erfahrung gebracht. Unten, mit dem Eingang an der Ecke, war die Bäckerei Hager. Die Hagers wohnten auch in Erdgeschoss. Im Jahre 1926 gehörte diese Bäckerei noch einem Max Hauser. In der ersten Etage lebten die Familien Großmann und Arno Ullrich (Eisenbahnsekretär) und im Dachgeschoss wohnten die Familien Reinhold und Uhlmann. Diese Angaben beziehen sich auf das Jahr 1944.
Auf einem anderen mir hier vorliegenden Plan, ebenfalls aus dem Jahre 1944 (12. Dezember) sind Grundstücke eingezeichnet, welche sich zum Zeitpunkt in Besitz der Firma Wex & Söhne befinden, dieses Haus gehört dazu. Wohlgemerkt nur das Eckhaus Seydelstraße 26, das angebaute Gebäude (im Bild links) hatte einen anderen Eigentümer.
(Foto: Rolf Großmann)

Das Gebäude ging im Bombenterror am 5. März 1945 unter. Auf dem Foto, das uns einen Blick in die Seydelstraße gewährt, sehen wir es ganz links, der vormalige Bäckereieingang ist gut zu erkennen.
(Foto: Bernd Obermaier)

Im Jahre 1978 wurde auf dem Grundstück der Flachbau der “Staatlichen Arztpraxis” fertiggestellt, der unmittelbar an das schon länger wieder errichtete Gebäude Neue Straße 30 angebaut wurde, dort auch das Erdgeschoss dieses Gebäudes nutzte und von da ab unter dieser Adresse postalische eingeordnet war.
1986 wurde hier in den Kellerräumen noch eine physiotherapeutische Abteilung fertig gestellt.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)
Zur Arzt- und Zahnarztversorgung in Einsiedel seit Ende des Krieges nun einige kurze Betrachtungen:
Anfang 1948 kehrte Dr. Fritz Rauh aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück und eröffnete am 1. April d.J. unter den typischen zeitgemäßen (...katastrophalen) Umständen eine Praxis in der Hauptstraße 56 (...war später Schlosserei Viehweg). Die örtlichen Verhältnisse besserten sich, als Anfang der 1950er Jahre der Umzug in die Erdgeschossräume des Hauses Hauptstraße 88 (vormals C.B. Reinicke) erfolgte. Rauh übte hier seine Tätigkeit bis zu seinem frühen Tode 1973 aus, sein Schwiegersohn Dr. Rolf Dietel übernahm die Praxis. Zu dieser Zeit beschäftige sich der Einsiedler Gemeinderat mit Möglichkeiten, um die medizinische Versorgung im Ort zu verbessern. Man entschied sich schließlich für den Neubau, der oben auf dem Foto abgebildet ist. 1978 war dieser fertig und bot nun für Dr. Dietel und die beiden Zahnärzte Christiane Rehm und Dieter Roscher ausreichend Platz. Auch die Gemeindeschwester hatte hier ihr Domizil. Zu DDR-Zeiten waren diese (Zahn-) Ärzte, Schwestern und Arzthelferinnen Angestellte der Gemeinde und hatten keine privat geführten Praxen wie heutzutage. Das änderte sich freilich 1990 und derartige Arbeitsverhältnisse mit der Gemeinde wurden aufgelöst. Dietel und Roscher eröffneten Praxen im Neubau Am Plan 4, Rehm zog in das Sparkassengebäude in der Hauptstraße 80.
Ende 1996 entschied sich die Gemeinde, in den vormaligen Praxisräumen einen Jugendclub einzurichten. Anfangs gab es einige Schwierigkeiten, die vor allem finanzieller Natur waren. 1997 ging es nur schrittweise voran, weil Einsiedel mittlerweile ein Chemnitzer Stadtteil war und die Fertigstellung des Jugendclubs nicht im Eingemeindungsvertrag niedergeschrieben wurde. Somit hatte die Stadt Chemnitz auch keine Mittel dafür in ihrem Haushaltplan. Der neue Träger der Einrichtung, das Christliche Jugenddorfwerk Burkhardtsdorf führte notwendige Restarbeiten mit den Jugendlichen in Eigenleistung durch. Andere freie Träger sowie der Einsiedler Ortschaftsrat und das Jugendamt der Stadt Chemnitz stellten finanzielle Mittel zu Verfügung. Am 15. Februar 1998 konnte der Jugendclub Einsiedel schließlich eröffnet werden.

Im Februar 2001 erhielt der Träger einen Scheck der ESSO-Niederlassung Chemnitz über 5.000,- DM, wo durch sich weitere Vorhaben realisieren ließen. Auf über 100 m² stehen den Jugendlichen Spiel-, Billard- und Aufenthaltsräume zur Verfügung. Alle Kinder (nachmittags) und Jugendlichen (abends) zwischen neun und 27 Jahren sind herzlich willkommen.
Eine feine Sache, wie ich meinen möchte...
Als neuer Träger übernahm der “Kinderland-Verein” 2003 den Einsiedler Jugendclub. Kurze Artikel (oft auch mit Fotos) im “Einsiedler Anzeiger” lassen die Aktivitäten des Clubs auch für die, die älter sind, gegenwärtig werden.
Und noch eins, die Postanschrift ist wieder die alte: Seydelstraße 26.
Foto vom 20. Januar 2008.

Das Gebäude wurde nicht wieder errichtet. Ab ca. 1955 gehörte das Grundstück dem
Josef (Sepp) Lemberger (Foto/mit Rechen).
Die unbebaute Fläche diente der Heu- und Grasgewinnung.
Unzählige Schuppen und Kaninchenställe waren im rückwärtigen Teil des Grundstücks zu finden.
(Foto: Bernd Obermaier)
