Die Gaststätte ”Waldklause” ...

...in der Anton-Herrmann-Straße 46, auf einer Fotopostkarte aus den 1960er Jahren. Von links oben nach rechts unten: Freiluftwirtschaft und Kiosk “Waldschenke”, Eingangsbereich (im Sommer Biergarten), Gastraum mit Tresen, Saal für Gesellschaften.
(Postkarte: Lutz Schüppel)

Aufnahmen vom 20. August 2004.
Die “Waldschenke” ist jetzt ein Grillplatz, der Eingangsbereich wurde um einen Wintergarten mit Sonnenterrasse erweitert, die Raumgestaltungen von Gastraum und Saal haben sich natürlich auch der heutigen Zeit angepasst.

Zur Geschichte der “Waldklause”:
An der Einsiedler Sommerrodelbahn wurden ab dem Jahre 1929 erstmals im Bereich des Geländes der heutigen "Waldklause" an einem kleinen Imbiss Speisen und Getränke verkauft. Bis in die Mitte der 1940er Jahre stand eine Holzunterkunft an dieser Stelle. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Reste der Sommerrodelbahn verkauft und erstmals an die Errichtung einer Ausflugsgaststätte gedacht. Geschuldet war dies der Tatsache, dass das weit über die Grenzen von Einsiedel hinaus bekannte Ausflugsziel Etablissement "Waldesrauschen" 1946 abbrannte.
Das Grundgebäude und der Kiosk außen (“Waldschenke”, siehe Postkarte oben) wurden über das NAW der DDR gebaut. Unter anderem wurde auch noch Restmaterial, welches geeignet erschien, aus der Ruine des “Waldesrauschen” geborgen und in der “Waldklause” verbaut.

Die Fotopostkarte rechts lief am 19. August 1971 und zeigt uns die Inneneinrichtung von Gastraum (oben) und Saal.

Oben nochmals der Gastraum der “Waldklause” in einer Aufnahme von 1961 und unten am 20. August 2004.
(Foto oben: Lutz Schüppel)

Erweiterungsbauten wie die Veranda, der Sanitärbereich und die Küche erfolgten in den Jahren 1959 bis 1963.
Bis zum Jahre 1992 wurde das Gebäude dann in diesem Baustil genutzt. Dabei wechselten mehrfach die Betreiber, die alle der Handelskette “Konsum” unterstellt waren. Nach zweijähriger Schließzeit wurde die “Waldklause” 1994 von der Gemeinde Einsiedel in einem sehr schlechten Zustand verkauft und ging in Privathand über. Die neuen Eigentümer sanierten das Anwesen bis Ende Oktober 1994 komplett, so dass am  3. November 1994 der Betrieb mit 2 Angestellten, einer kleinen Speisekarte und unzähligen Anfangsschwierigkeiten wieder aufgenommen wurde.
Bis 1996 verbesserte sich der Zuspruch ständig, was sich an der steigenden Besucherzahl und vielen Feierlichkeiten widerspiegelte. Die Einstellung neuer Arbeitskräfte und ein neuer Bauabschnitt mit der Grundsteinlegung für das Gebäude der heutigen Pension und Kegelbahn waren die Folge. Beides wurde im Mai 1997 eröffnet. Im Januar 1999 wurde schließlich noch der Eingangsbereich verglast und der Wintergarten mit Ausgang zur Sommerterrasse angebaut.
Heute kann man sagen, dass die “Waldklause” einen mehr als würdigen Nachfolger des “Waldesrauschen” darstellt und die erfolgreiche Vorkriegstradition gehobener Gastwirtschaft in Einsiedel fortführt...

Der Biergarten unmittelbar vor dem Eingang am
8. August 1963.
(Foto: Lutz Schüppel)

41 Jahre später wird der Biergarten in dieser Form nicht mehr betrieben. Wer dennoch auf sein Pilsner im Freien nicht verzichten möchte, kann dies jetzt auf der Sonnenterrasse trinken. Hinten links zu sehen. Aufnahme vom 20. August 2004.

Hintergrundwissen NAW:
Abkürzung für “Nationales Aufbauwerk” (der DDR), gegründet am 2. Januar 1952. An alle Bürger erging im gleichen Jahre der Aufruf, mit freiwilligen Arbeitseinsätzen die noch verbliebenen Trümmer in ihren Städten und Dörfern zu räumen und Neues aufzubauen. Der Neuaufbau (vor allem von Wohnraum) war dringend geboten, doch es fehlte in der DDR die Technik, um Ruinen zu räumen und neue Bauwerke zu errichten. Mit der Muskelkraft ihrer Einwohner schaffte es die Regierung der DDR, die fehlende Technik zu kompensieren. Trotz immenser Schwierigkeiten wurden hohe Werte geschaffen. Das NAW beteiligte sich u.a. an der Stalinallee in Ostberlin, am Ostseestadion in Rostock und an der Erschaffung der Stalinstadt (seit 1961: Eisenhüttenstadt). Speziell in Einsiedel wurde neben der Waldklause so auch 1961 die “Mühlbergschanze” erbaut und eingeweiht.
Rechts: Werbeplakat von 1952 für das NAW, auf dem Träger steht: “Aus Sachsen für Berlin!”

Hintergrundwissen Konsum:
Der Konsum (Betonung auf der ersten Silbe und kurzes u) war in der DDR die Bezeichnung für ein Lebensmittelgeschäft der Konsumgenossenschaft. Diese Art Genossenschaften gab es schon lange Zeit vor Gründung der DDR. Es handelt sich bei einer Konsumgenossenschaft war eine Massenorganisation, die ihre Verbraucher zum einen mit Konsumgütern und Dienstleistungen versorgt und zum anderen ihre Mitglieder am Umsatz beteiligte.
In Deutschland gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert Konsumgenossenschaften.
Zusammen bildeten sie den Zentralverband Deutscher Konsumvereine (1903) bzw. den Reichsverband Deutscher Konsumvereine  (1908). Deutlicher Schwerpunkt war Sachsen, wo die Arbeiterorganisationen schon früh eine bedeutende Rolle spielten.
Nach dem ab 1933 die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen hatte, ging es aus gewollten politischen Gründen mit den Konsumgenossenschaften steil bergab. Zunächst wurde mit dem Rabattgesetz von 1933 die Rückvergütung auf 3% begrenzt und damit das Interesse an der Mitgliedschaft in der Konsumgenossenschaft entscheidend beschnitten. Später wurde den Genossenschaften verboten, Spareinlagen anzunehmen, was zu einem erheblichen Liquiditätsverlust führte und zahlreiche Konsumgenossenschaften an den Rand des Ruins brachte. Letztendlich wurde die Liquidation aller Genossenschaften, denen es wirtschaftlich nicht mehr gut ging, erzwungen. 1941 wurde die Zerstörung der Konsumgenossenschaften dann abgeschlossen, indem ihre Einrichtungen in das Gemeinschaftswerk der Deutschen Arbeitsfront (DAF) überführt wurden.
Nach Kriegsende wurden die Konsumgenossenschaften auf Anordnung der sowjetischen Alliierten auf dem Gebiet der späteren DDR am 18.12.1945 erneut ins Leben gerufen. Ende 1947 zählten die Konsumgenossenschaften in der sowjetischen Besatzungszone bereits wieder 1,8 Millionen Mitglieder. Die Konsumgenossenschaften alle vier Zonen knüpften an die alte Tugend an, Vorreiter bei der Modernisierung zu sein. So eröffnete 1949 in Hamburg der erste Selbstbedienungsladen in Deutschland. Das erste Selbstbedienungsgeschäft in der DDR wurde 1952 vom Konsum Groß-Berlin eGmbH in Treptow eröffnet. Allgemein konzentrierte sich der Konsum in der DDR aber auf ländliche Gebiete. Seine Bedeutung als Handelskette in der DDR war mit 3,8 Mio. Mitgliedern und 30% Anteil am Einzelhandels sehr groß. Nach der Wende 1990 gerieten viele ostdeutsche Konsumgenossenschaften in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die zu zahlreichen Betriebsschließungen und auch Insolvenzverfahren geführt haben. Allerdings gelang es auch viele Genossenschaften, Anschluss an die neuen Bedingungen im Handel zu finden und ihre Unternehmen zu sichern.

Logo des Konsum zu Zeiten der DDR

Konsum-Werbung auf einer Zündholzschachtel

Konsummarken für das Rückvergütungssystem


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