Am Plan    Denkmal Deutsch-Französischer Krieg
"Den Siegern von 1870-71 - Die Gemeinde Einsiedel"

Am zentralen Platz in Einsiedel, dem Plan, stand bis ins Jahr 1946 einst ein stolzes Kriegerdenkmal.

Es war gewidmet den verbündeten deutschen Staaten für den Sieg im
Deutsch-Französischen Krieg 1870 bis 71, der diese Staaten einte und im Endergebnis das (Zweite) Deutsche Reich schuf.

Die Tafel am Sockel trug die Inschrift:
“Den Siegern von 1870-71. Die Gemeinde Einsiedel”.

Das in einer Art “Siegessäule” gestaltete Denkmal wurde durch den “Königlich Sächsischen Kriegerverein zu Einsiedel” anläßlich des 25. Jahrestages des
Deutsch-Französischen Krieges im Jahre 1896 errichtet.
In den Gefechten hatte Einsiedel seinerzeit einen Toten zu beklagen. Bei diesem Gefallenen handelt es sich um den Jäger Hans Tröger vom II. Jägerbataillon Nr. 13.

(Foto: Ingobert Rost)

Es finden sich einige Abbildungen aus alter Zeit, sei es die uns heute als recht primitiv nachcolorierte Fotografie anmutende ”Gruß aus Einsiedel-Karte” links oder die professioneller wirkende Ansichtspostkarte rechts.

“Pedalritter”.
Links ein Foto eines (Einsiedler?) Radfahrervereins, der auf dem Plan Aufstellung genommen hat. Der Mode nach zu urteilen stammt diese Aufnahme von vor 1914.
Im Hintergrund lässt sich der genaue Standort des Denkmals nun besser analysieren. Links davon die “Fischer-Schmiede” (Hauptstr. 74), rechts das Gebäude Hauptstr. 91, es steht heute noch fast unverändert.
(Foto: Ingobert Rost)

Februar 1944. Das Foto stammt von Jürgen Bongardt (seinerzeit Essen), der im Zuge der “Kinderlandverschickung” in Einsiedel einquartiert war, und zeigt ihn vor dem Denkmal.
Im Hintergrund die “Fischer-Schmiede”, Hauptstraße 74.

Oben ein Foto aus den 1920er Jahren. Es zeigt die Mannschaft des Einsiedler Radballvereins vor dem Denkmal. Mittlerweile wurde neben dem Zierzaun, welcher von Anfang an den Sockel umrahmte, noch ein weiterer Zaun zur Abtrennung gebaut.

Im Mai 1946 gaben die Alliierten den „Befehl Nr. 30“ heraus. Dieser sah die Zerstörung aller militaristischen und “Nazi-verherrlichenden” Denkmäler vor. Sicher gab es zu dieser Anweisung Ausnahmen für besonders bedeutende Bauwerke (z.B. Siegessäule in Berlin), aber das Einsiedler Kriegerdenkmal wurde im gleichen Jahr abgerissen. Am vormaligen Standort hält nun eine Feuerwehrkapelle Aufstellung, das Denkmal ist verschwunden.
Was die Alliierten nicht mit Bomben vernichteten, verschwand per Dekret...

Der Plan im Jahre 1986.
Zwischen 1933 und 1937 wurde hier das auf dem Foto abgebildete, dreistufige Plateau geschaffen, welches sich über die gesamte nördlich Seite des Platzes erstreckte.
Es diente in der Zeit des Dritten Reiches im Zusammengehen mit der Gesamtfläche “Plan” der lokalen SA und HJ für die zu dieser Zeit üblichen Aufmärsche und Kundgebungen. Die bis dahin hier jährlich stattfindende Kirmes wurde kurzerhand bis Ausbruch des 2. Weltkrieges auf die Ida-Wiese (heute: Walther-Wieland-Hain) verlegt.
Auch in der DDR wurde hie und da der Platz für politische und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt. (Feuerwehr/Maikundgebungen.)
Die Kirmes fand bis zum Ende der DDR-Zeit hierher zurück.

Die gleiche Stelle am 12. August 2004. Das Plateau, welches in den 1990er Jahren immer mehr verkam, wurde weggerissen. Die frei gewordene Fläche -zwischenzeitlich gepflastert- dient nunmehr als ganz einfacher Parkplatz...

 

 

 

 

Hintergrundwissen Deutsch-Französischer Krieg 1870/71:
Im Zuge bzw. im Nachgang an die sogenannte “Emser Depesche” erklärte das Kaiserreich Frankreich dem Königreich Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg. Damit beginnt der Entscheidungskampf zwischen den rivalisierenden Großmächten um die Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent.
Die französische Hoffnung auf Neutralität der süddeutschen Staaten zerschlug sich, als die Königreiche Bayern und Württemberg am 16. bzw. 17. Juli den Bündnisfall gemäß den Schutz- und Trutzbündnissen von 1866 erklärten und ihre Streitkräfte dem Oberbefehl des preußischen Königs unterstellten. Als am 19. Juli, dem Tag der französischen Kriegserklärung, der Norddeutsche Reichstag eröffnet wird, bewilligt dieser einstimmig 120 Mio. Taler Kriegskredite. Österreich erklärt seine Neutralität.
Die kriegsentscheidende Schlacht bei Sedan am 1. September 1870 führt zum Sturz des französischen Kaiserreichs. Teile der französischen Armee, bei der sich auch Kaiser Napoleon III. befindet, werden bei dem Versuch, eigene, in der Stadt Metz (Elsaß) eingeschlossene Truppenteile zu entsetzen, von deutschen Truppen unter Kronprinz Albert von Sachsen nach Sedan abgedrängt und angegriffen. Als die Deutschen um 16.00 Uhr mit der Beschießung der Stadt beginnen, ergeben sich die Franzosen.
Der kommandierende französische Marschall Mac-Mahon unterzeichnet am 2. September 1870 die Kapitulation. Mac-Mahon, Napoleon III. und etwa 88.000 Soldaten gehen in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Am 4. September 1870 wird in Paris das zweite Kaiserreich gestürzt und eine instabile Republik gegründet.
Deutscherseits führt der Krieg zur Einigung des Landes und zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs (auch Zweites Reich genannt) in Versailles am 18. Januar 1871. Der preußische König Wilhelm I. wird deutscher Kaiser. Diese Reichsgründung ist nicht nur die unmittelbare Folge des deutschen Sieges im Krieg gegen Frankreich sondern auch ein Werk der Diplomatie des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Die Einigung Deutschlands erfolgt durch Zusammenschluss des Norddeutschen Bundes mit allen süddeutschen Staaten außer Österreich, in dem Preußen die Bedingungen diktiert.
Dieser neue Staat übernimmt nunmehr die Vormachtstellung, die bisher Frankreich auf dem europäischen Kontinent innehatte. Seine Nachbarn betrachten diese Entwicklung mit Sorge.
Der Tag des Sieges der Schlacht von Sedan (2. September) wird deutscher Nationalfeiertag. Kein einziger politischer Feiertag hat je in Deutschland wieder eine dermaßen hohe Popularität erreicht wie der „Sedantag“, auch nicht der 1. Mai.

 

 

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