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Hintergrundwissen Deutsch-französischer Krieg 1870/71: Im Zuge bzw. im Nachgang an die sogenannte “Emser Depesche” erklärte das Kaiserreich Frankreich dem Königreich Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg. Damit beginnt der Entscheidungskampf zwischen den rivalisierenden Großmächten um die Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent. Die französische Hoffnung auf Neutralität der süddeutschen Staaten zerschlug sich, als die Königreiche Bayern und Württemberg am 16. bzw. 17. Juli den Bündnisfall gemäß den Schutz- und Trutzbündnissen von 1866 erklärten und ihre Streitkräfte dem Oberbefehl des preußischen Königs unterstellten. Als am 19. Juli, dem Tag der französischen Kriegserklärung, der Norddeutsche Reichstag eröffnet wird, bewilligt dieser einstimmig 120 Mio. Taler Kriegskredite. Österreich erklärt seine Neutralität. Die kriegsentscheidende Schlacht bei Sedan am 1. September 1870 führt zum Sturz des französischen Kaiserreichs. Teile der französischen Armee, bei der sich auch Kaiser Napoleon III. befindet, werden bei dem Versuch, eigene, in der Stadt Metz (Elsaß) eingeschlossene Truppenteile zu entsetzen, von deutschen Truppen unter Kronprinz Albert von Sachsen nach Sedan abgedrängt und angegriffen. Als die Deutschen um 16.00 Uhr mit der Beschießung der Stadt beginnen, ergeben sich die Franzosen. Der kommandierende französische Marschall Mac-Mahon unterzeichnet am 2. September 1870 die Kapitulation. Mac-Mahon, Napoleon III. und etwa 88.000 Soldaten gehen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Am 4. September 1870 wird in Paris das zweite Kaiserreich gestürzt und eine instabile Republik gegründet. Deutscherseits führt der Krieg zur Einigung des Landes und zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs (auch Zweites Reich genannt) in Versailles am 18. Januar 1871. Der preußische König Wilhelm I. wird deutscher Kaiser. Diese Reichsgründung ist nicht nur die unmittelbare Folge des deutschen Sieges im Krieg gegen Frankreich sondern auch ein Werk der Diplomatie des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Die Einigung Deutschlands erfolgt durch Zusammenschluss des Norddeutschen Bundes mit allen süddeutschen Staaten außer Österreich, in dem Preußen die Bedingungen diktiert. Dieser neue Staat übernimmt nunmehr die Vormachtstellung, die bisher Frankreich auf dem europäischen Kontinent innehatte. Seine Nachbarn betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Der Tag des Sieges der Schlacht von Sedan (2. September) wird deutscher Nationalfeiertag. Kein einziger politischer Feiertag hat je in Deutschland wieder eine dermaßen hohe Popularität erreicht wie der „Sedantag“, auch nicht der 1. Mai.
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